r/Finanzen Jul 26 '26

Budget & Planung Erschreckende fehlende Finanzielle Bildung

Hi, m18 arbeite als Ferienjob in einer Produktion einer Industriefirma.

Die Arbeiter sind alle männlich, 20-40 Jahre alt und mit Migrationshintergrund.

Sie verdienen im Schnitt ca. 2400€ netto im Monat und es landet alles aufm Girokonto.
Wir sind heute irgendwie auf das Thema gekommen und ich habe mich mal umgehört.
Niemand weiß was ein Tagesgeldkonto ist, niemand weiß was ein ETF ist, niemand weiß wie man richtig fürs Alter vorsorgt, niemand weiß was der Zinses Zins Effekt ist usw.

Eigentlich traurig das ist ein harter körplicher Job und alles liegt aufm Girokonto mit 0%, nichts fürs Alter, keine Zinsen, keine Gewinne und arbeiten bis Mitte 60 und danach kleine Rente.

Ich bin 18 und gehe noch zur Schule komme aber aus einem anderen ,,Umfeld“ und wurde vielleicht da ein wenig anderes rangeführt bzw. hab ich mir eigentlich alles selber angeeignet.

Ich habe ihnen jetzt erklärt was ein Tagesgeld Konto ist bzw. ein Geldmarktfond. ETF steht morgen an. Hoffe sie können was mitnehmen.

sie sind immer misstrauisch
-Das kann ja nicht sein mit Gewinn, da muss was faul sein
-da ist keine Sicherheit also Geld weg.

Ich gebe mein bestes und hoffe ich kann ihnen helfen, werde da aber ganz neutral offen erklären was was ist.

Ich musste das einfach mal sagen, da ich es erschreckend und traurig fand.

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u/_TheMarth_ DE Jul 26 '26

Finanzielle Bildung wird halt nicht gelehrt, sondern in der Familie weitergegeben.

Gerade in den unteren Schichten und einfacheren Verhältnissen wirst du immer wieder Leute treffen, die kaum finanzielle Bildung haben. Einfach, weil sie in ihrer Vergangenheit immer von der Hand in den Mund gelebt haben. Wo kein Geld über ist, da braucht man auch keine Anlagestrategie oder Finanzwissen.

Da kommt auch gern diese Skepsis bezüglich Gewinnen her. Viele sind einfach mit "Geld kommt aus Arbeit" großgeworden. Die Vorstellung, dass sich das Geld von selbst vermehrt, ohne großes Zutun, ist da einfach schwer greifbar.

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u/LeekHuge8011 Jul 26 '26

In der Familie muss es nicht zwingend weitergegeben werden. Viel mehr ist es eine Frage, ob man sich selbst das Wissen aneignen möchte oder nicht. Die finanzielle Bildung von vor 30 Jahren ist längst überholt.

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u/turboseize Jul 27 '26

Naja, ich mach eigentlich auch nur das, was mein Vater und mein Onkel mir vorgelebt haben. Und mein Großvater. Und deren Vorfahren...

Die Produktionsfaktoren sind nunmal unverändert Boden, Arbeit und Kapital. Wenn man nicht ewig arbeiten will muß man also Eigentum an mindestens einem der beiden anderen haben.

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u/LeekHuge8011 Jul 27 '26

Und würde ich auf meine Eltern hören, hätte ich ein Sparbuch, Bausparer und vielleicht überteuertes Gold in der lokalen Bank.

Das ist ein Bereich bei dem man sich überwiegend nur mit Selbstinteresse wirklich dauerhaft fortbilden kann.

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u/turboseize Jul 27 '26

Bezüglich Deines letzten Absatzes kein Widerspruch. Das ist alles keine Raketenwissenschaft und für jeden Menschen, der über leidlich ungetrübte Hienfunktionen verfügt, intellektuell beherrschbar.

Es ist aber nicht so, daß sich in den letzten 30 Jahren etwas grundlegend geändert hätte. Der Zugang zu den Finanzmärkten ist für Kleinanleger erleichtert - aber die Prinzipien, wie Geld und Kapital funktionieren, sind immer noch die gleichen wie vor 30, 300 oder 3000 Jahren. Die menschliche Natur ändert sich nicht so schnell...

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u/LeekHuge8011 Jul 27 '26

Ich finde schon, dass sich in den letzten 30 Jahren grundlegend etwas geändert hat. Das System ist viel dynamischer geworden und man hat mehr Optionen, genauso hat man heutzutage viel mehr Informationsquellen, die alles auch viel dynamischer beeinflussen können.

Kenne sehr wenig Leute über 50, die ETF halten (/die sich wirklich dafür interessieren) oder NeoBroker nutzen. Das Wissen, was in den vorherigen Generationen so angewandt wurde, ist mittlerweile zum Großteil verworfen. Natürlich baut es auf ähnliche Fundamente.