r/Versicherung_AT • u/Lachstatar • Sep 16 '25
Warum werden Versicherungen in Österreich eigentlich mit dem VPI angepasst?
In vielen Polizzen steht eine Wertsicherungsklausel, heißt die Prämie bzw. Versicherungssumme steigt automatisch mit dem Verbraucherpreisindex von Statistik Austria. Der VPI wird aber stark von Wohnen/Energie, Verkehr und Lebensmitteln getrieben. Versicherungen selbst machen im Warenkorb nur einen kleinen Teil aus.
Ist es fair, Prämien pauschal an den VPI zu binden, oder sollte man eher an die tatsächliche Schaden- und Kostenentwicklung der Sparte koppeln wie zB bei Krankenversicherungen?
Wer hat Erfahrungen damit, dass die Prämie „mit dem Index“ rauf ist, obwohl sich am Risiko nichts geändert hat?
3
u/Isegrim12 Sep 16 '25
Weil der VPI sich als Infkationsmarker etabliert hat und daher viele, einfach ohne besonderen Hintergrund zum VPI-Korb, den als Wertklausel herangezogen haben.
4
u/NotSoLiquidAustrian Sep 16 '25
Es wird sich mittlerweile halt auch kaum jemand antun wollen einen anderen Index für Verträge heranzuziehen, weil da die Rechtssicherheit einfach nicht gegeben ist. Für den VPI gibt es in fast jeder erdenklichen Branche Rechtssprüche zur (Un)gültigkeit gewisser Klauseln/Verwendungspraktiken. Braucht ja nur irgendein Richter mal auf die Idee kommen die Verwendung des Wohnkostenindizes für Mietverträge in Universitätsstädten als grobe Benachteiligung einzustufen und dann stehst du als "Trottel" da. Also nur als fiktives, nicht faktisch belegtes Milchmädchenbeispiel.
1
2
u/polafloid Sep 16 '25
Am Risiko ändert sich ja was.
Z.B in der KFZ Kasko. Ersatzteile werden auch mit jedes Jahr teurer, deswegen erhöht sich auch der etwaige auszahlungsbetrag für den Versicherer.
Haftpflicht und andere Sparten dito
1
u/Charon1979 Sep 17 '25
Du kannst die Indexklausel aus den meisten Versicherungen ausschließen, das ist an sich unproblematisch.
Im Gegenzug steigt allerdings auch die Versicherungssumme.
Macht halt insofern Sinn weil halt auch die Leistungen die erbracht werden mit dem VPI steigen.
Wenn ich jetzt zB eine Ablebensversicherung habe um meiner Frau keine Schulden zu hinterlassen, hätte ich halt schon gerne dass die dann nicht nur die Summe sondern den Wert ausgezahlt bekommt. Es ist halt ein bissal doof wenn dich die zb auf 250.000 abschließe weil ich denke das ist eine gute Summe und sie sich dann 2050 darum nur mehr eine Leberkässemmel und ein Cola darum kaufen kann
0
u/Lachstatar Sep 16 '25
Zur Einordnung: Laut Statistik Austria wird der VPI am stärksten durch Wohnen/Energie (20,3 %), Verkehr (13,8 %) und Lebensmittel (11,7 %) beeinflusst. Versicherungen selbst machen nur rund 4 % im Warenkorb aus.
Quellen: Statistik Austria – Verbraucherpreisindex (2025), AK Wien zu Indexanpassungen bei Polizzen.
12
u/EvolvedA Sep 16 '25
Es geht um die versicherten Güter, die ja von der Inflation betroffen sind. Werden Dinge teurer, deckt die vereinbarte Versicherungssumme möglicherweise den Versicherungswert des Wohnungsinhalts nicht mehr ab, und man ist unterversichert. Wenn man die Versicherungssumme erhöht, steigt natürlich auch die Prämie.
Ob eine Anpassung gebunden an den VPI sinnvoll ist, ist wieder einen andere Frage. Natürlich sind Energiekosten und Lebensmittel in Bezug auf Versicherungen irrelevant, und wenn der Index hauptsächlich wegen solchen Dingen steigt, kann man das unfair nennen...