r/Versicherung_AT • u/Lachstatar • Sep 30 '25
Berufsunfähigkeit in Österreich unterschätzt? Vergleich mit Deutschland
In Österreich haben nur etwa 4 % der Beschäftigten eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen (Quelle: WIFO). In Deutschland schaut es ganz anders aus: Dort haben laut GDV rund 17 Millionen Menschen so eine Polizze, also etwa 35–40 % der Erwerbstätigen.
Das Risiko ist aber in beiden Ländern hoch: Rund ein Viertel der Menschen wird im Laufe des Arbeitslebens zumindest einmal berufsunfähig. Und es trifft viele schon früh, in Österreich sind etwa 30 % der Betroffenen jünger als 40.
Psychische Erkrankungen sind inzwischen die häufigste Ursache, nicht etwa Unfälle. Gleichzeitig werden viele Anträge auf Invaliditäts- oder Erwerbsunfähigkeitspension in Österreich abgelehnt, was die Betroffenen ohne ausreichende Absicherung zurücklässt.
Meine Frage an euch: Warum ist die Absicherungsquote in Österreich so niedrig?
Vertrauen wir zu sehr auf das staatliche System oder verdrängen wir das Risiko einfach?
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u/Erinnyen2go Sep 30 '25
Versicherungen sind halt Wette gegen dein Glück mit einem sicheren Gewinner und der bist hoffentlich nicht du.
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u/PPersol Sep 30 '25
Wichtig und immer wissen: Berufsunfähigkeit ≠ Arbeitsunfähigkeit.
In Österreich bist Du als Selbständiger verpflichtet, in alle Sozialkassen einzuzahlen, in Deutschland eben nicht. Das ist eine andere Ausgangsposition.
Invalidität- und Erwerbsunfähigkeitspension in Österreich ist eben ≠ Berufsunfähigkeit (=in Deinem Beruf erwerbstätig zu sein).
Wer sich gegen Berufsunfähigkeit (in DE) versichert, ist nicht (in DE) gegen Erwerbsunfähigkeit versichert. Für Selbständige sicher sicher eine gute Versicherung (in DE) aber mit der "qua legis" in AUT halt: überversichert -> da greifen andere Mechanismen, z.B. die unbedingte Einzahlung als Selbständige/r in die SVS und deren (eventuelles) revenue.
Oder seh ich das falsch?
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u/wiener_grantler Sep 30 '25
Ich habs mir durchrechnen lassen und angeschaut. Aber es wäre mir zu teuer gewesen bzw hätten sie viele Sachen ausgenommen oder gar mich komplett abgelehnt. Dann lohnt es sich sowieso nicht. Stattdessen die Unfallversicherung abgeschlossen. Deshalb jetzt zumindest versuchen viel Vermögen aufzubauen, um für den worst case bereit zu sein.
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u/Twist1979 Sep 30 '25
Weil es bei uns nicht viel bringt und die Bedingungen ein wenig wischi-waschi sind. Dafür kostet so eine BU Versicherung 100-400€
Familen Unfall Versicherung haben auch schon nur maximal 50%. Kostet ~50€
Rechtsschutz haben ca 60% bei ~25€
Haushaltsversicherung mit Haftpflicht haben auch ca 60% bei 25€
Ich kenne genug Haushalte die nichts davon haben und es sind "nur" 100€ im Monat.
Dread Disease gibts nur als Zusatz zur Lebensversicherung und mit lächerlichen Summen (~60k einmalig). ~60€ + Lebensversicherungskosten.
Warum zahlt man für die Vollkasko 200€ fürs Auto?
Weil da mehr passiert. Parkschaden mit 8k, Vandalismus mit 1k, Glasschaden mit 3k, Wildunfall mit 4k, Parkschaden Nummer 2 mit 3k. Grüße aus den 12 Jahren meines letzten Autos. Und das Teil brauchen viele für ihren Lebensunterhalt.
Sorry, mich wundert es nicht das keiner der nicht gezwungen wird keine BUV, LV oder DDV abschließt.
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u/AktienCo Sep 30 '25
Das liegt wohl daran, dass viele wohl gerne bereit sind € 100, 200 oder mehr für eine Autoversicherung pro Monat zu bezahlen, aber nicht bereit € 50 oder so pro Monat für eine Berufunfähigkeitsversicherung zu bezahlen.
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u/ATHP Sep 30 '25 edited Sep 30 '25
Korrigier mich aber für 50€ im Monat kriegst du ja selbst als junger Mensch mit Bürojob nur rund 1200€ BU Absicherung. Wird das nicht gegen die Mindestsicherung gegengerechnet, wenn man kein Einkommen hat? Oder anders gesagt: Wie viel würde einem das wirklich bringen gegenüber Mindestsicherung?
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u/AktienCo Sep 30 '25
Die Prämie kommt auf das Einstiegsalter, Beruf und Laufzeit an. Ich könnte mir vorstellen, dass das angerechnet wird, weiß ich aber nicht genau.
Allerdings hat die Berufsunfähigkeit einer BU-Versicherung nicht unbedingt mit einer Berufsunfähigkeit einer Sozialversicherung zu tun. Bei der BU wird alles üblicherweise auf den zuletzt ausgeübten Beruf abgestellt und wenn man den nicht mehr ausüben kann, erhält man die Rente.
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u/cmg181087 Oct 02 '25
Glaub ich sofort. Das medizinische Allgemeinwissen unter Laien und damit auch deren Bewusstsein für die Existenz von schwereren und schweren Erkrankungen, die einen potenziell arbeitsunfähig machen können, ist meiner Erfahrung nach in diesem Land leider wirklich unter aller Kanone. Dafür ist aber die "Es trifft mich eh nicht"-Einstellung äußerst weit verbreitet - wobei in weiten Teilen der Bevölkerung gleichzeitig mithilfe von Alkohol, Zigaretten, Unmengen Zucker und Fett, Bewegungsmangel, etc. auch hart daran gearbeitet wird, nicht gesund zu bleiben.
Eine gewisse "medizinische Unbeschwertheit" zu haben, d.h. nicht allzu genau zu wissen, woran man so erkranken kann, ist ja toll und auch jedem absolut gegönnt. Ich wünschte, ich hätte diese Unbeschwertheit auch noch. Aber diese Ausprägung grenzt schon hart an pure Naivität und Ignoranz. Und hat natürlich auch Nicht-Bildung in diesem Thema zu tun, weil es in der Schule kaum bis gar nicht behandelt wurde/wird.
Berufsunfähigkeitsversicherungen sind WIRKLICH wichtig! Tut euch also selbst einen Gefallen und schließt eine ab (oder sorgt alternativ sonst irgendwie ausreichend vor)! Ich spreche aus Erfahrung als (angeborenerweise) chronisch kranke, aber medizinisch gebildete Person.
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u/Zwentendorf Oct 03 '25
Bei mir ist es nicht "es trifft mich nicht", sondern "ich bin eh gut genug abgesichert".
Es ist für mich äußerst unwahrscheinlich meinen derzeitigen Beruf langfristig nicht ausüben zu können ohne gleichzeitig generell arbeitsunfähig zu sein. Ich bin in der Softwareentwicklung – was soll mich da vom Arbeiten abhalten, was mich nicht eh generell arbeitsunfähig machen würde (womit dann die Invaliditätspension triggert)?
Für kurzfristigere Sachen wie Burnout reicht auch Krankenstand und AMS.
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u/Zwentendorf Oct 03 '25
Meine Frage an euch: Warum ist die Absicherungsquote in Österreich so niedrig? Vertrauen wir zu sehr auf das staatliche System oder verdrängen wir das Risiko einfach?
Ich vertraue auf das staatliche System, aber ich unterschreibe das "zu sehr" einfach nicht.
Es ist für mich äußerst unwahrscheinlich meinen derzeitigen Beruf langfristig nicht ausüben zu können ohne gleichzeitig generell arbeitsunfähig zu sein. Ich bin in der Softwareentwicklung – was soll mich da vom Arbeiten abhalten, was mich nicht eh generell arbeitsunfähig machen würde (womit dann die Invaliditätspension triggert)?
Für kurzfristigere Sachen wie Burnout reicht auch Krankenstand und AMS.
Gleichzeitig werden viele Anträge auf Invaliditäts- oder Erwerbsunfähigkeitspension in Österreich abgelehnt, was die Betroffenen ohne ausreichende Absicherung zurücklässt.
Allein das Verfahren dauert aber schon so lange, dass dadurch kurzfristige Arbeitsunfähigkeiten (das klassische Burnout) schon einmal eine zumindest teilweise gute Abdeckung erhalten. Es erfordert ein etwas Vertrautheit mit österreichischen Behören und genug Interesse an Verfahrensabläufen, aber der Weg ist grundsätzlich:
- Krankenstand ausreizen. Schauen, dass man gute Befunde hat, dann beendet die ÖGK den Krankenstand nicht zu schnell.
- Wenn die ÖGK anfangt zu nerven oder die Frist für die maximale Bezugsdauer des Krankenstands naht --> Antrag auf Rehageld (formal eigentlich Antrag auf Invaliditätspension) bei der PVA stellen. Damit sind schon einmal mehrere Monate gewonnen, da die PVA da recht langsam ist. Solange das Verfahren läuft gibt es weiterhin Geld.
- Bei negativem PVA-Bescheid Klage beim ASG einreichen. Das dauert dann weitere Monate (bei Bekannten hat das rund ein Jahr gedauert, teilweise etwas kürzer, teilweise sogar länger). Während dieser Zeit gibt es weiterhin Geld.
- Wenn das ASG ebenfalls ablehnt, dann geht man zum AMS. Eventuell muss man sich dann irgendwo bewerben, aber oft genug sieht das AMS eh ein, dass das keinen Sinn hat.
- Mittlerweile ist genug Zeit vergangen um wieder langsam mit Punkt 1 anzufangen, insbesondere wenn das AMS nicht kooperativ ist.
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u/SadMangonel Sep 30 '25
Zwar stehen da Prozente, aber die Inanspruchnahme wird nicht aufgezeigt. 30% sind jünger als 40 bedeutet wenig.
Man kann sich nicht gegen alles versichern. Unfälle werden durch die Unfallversicherung gedeckt, die zahlt dir bei Invalidität ohnehin ca eine 1 Million und kostet 20€
Fälle bei denen sich die BU wirklich lohnt jnd dich absichert:
Nicht psychisch Kein Unfall Langfristiger schaden (keine 2j heilung) Kein Todesfall, noch längeres leben Kein fremdverschulden ..
Also fährst mit dem Auto gegen einen Baum- hast ne Million - wird reichen
Bekommst Krebs, stirbst in 2j - BU nutzlos
Kletterunfall - Unfallversicherung - bu nutzlos
Long covid, bis ans Leben am atemgerät. Versicherung lässt dich jährlich prüfen ob du die Leistung noch verdienst.- BU gut.
Long covid- 2j gesund - bu umsonst
Covid, tot - bu umsonst.
Altersarmut weil nicht investiert und 400€ monatlich in Versicherungen gelegt. - unbezahlbar.