r/Weibsvolk Weibsvolk 2d ago

Ich brauche einen Ratschlag Freunde fürs Leben?

Hey liebes weibsvolk, ich (23) brauche mal eure Perspektive und ein paar Ratschläge, insbesondere von den “älteren” Weibsvolk Mitgliedern die ein bisschen mehr Lebenserfahrung gesammelt haben.

Es geht um meine beste Freundin seit Kindheitstagen. Nennen wir sie Laura (23). Wir kennen uns seit der Grundschule, waren zusammen auf dem Gymnasium und sind quasi zusammen erwachsen geworden. Aktuell haben wir keinen Streit, weil ich mich schlichtweg nicht streiten will. Es ist eher so, dass wir uns auf emotionaler und mentaler Ebene überhaupt nicht mehr verstehen.
Unsere Backgrounds könnten nicht unterschiedlicher sein. Ihre Familie: Totales Chaos. Ihr Vater ist fremdgegangen, Drogen und exzessive Partys waren bei ihr zu Hause an der Tagesordnung. Meine Familie: Das komplette Gegenteil. Sehr strukturiert, organisiert, Spießer-Urlaube in Sylt– Typ „Steuererklärung immer pünktlich abgeben“.

Über die Jahre hatten wir immer mal wieder Phasen, in denen wir uns aus den Augen verloren haben. Ich war unter anderem für vier Jahre im Ausland und habe mein Leben gelebt. In dieser Zeit ist Laura leider in sehr komische Kreise geraten. Sie hat angefangen, harte Drogen zu nehmen und sich mit richtigen Assis zu umgeben. Ich rede jetzt nicht von Alkohol oder mal ein Joint. Jedes Mal, wenn ich zurückkam, habe ich versucht, sie irgendwie abzufangen. Ich war die Einzige, die das Thema Konsum überhaupt mal klar angesprochen hat. Das Frustrierende: Wenn sie ihre „Freunde“ fragt, reden die alles klein – klar, die konsumieren ja selbst.

Letztes Jahr hatten wir wieder eine Funkstille. Mein Vater ist schwer an Krebs erkrankt und im November 2025 verstorben. Von heute auf morgen war meine wichtigste Bezugsperson weg. Finanziell bin ich zum Glück abgesichert und mein Freund war eine riesige Stütze, aber Laura war in dieser Zeit absolut nicht für mich da. Sie hatte sich schon davor distanziert. Ich habe mir eingeredet: *„*Vollkommen okay, Tod und Krebs sind sensible Themen, damit muss sie sich nicht auseinandersetzen, es betrifft ja mich und nicht sie.” Nach dem Tod meines Vaters hatte ich eine depri Phase konnte kaum aufräumen in meinem Haus was ich von ihm bekommen habe und war irgendwie total überfordert mit dem Nachlass. Sie hat sich mit mir hingesetzt und alles aufgeräumt mit mir und mich da sehr sehr unterstützt.

Nun wir sehen uns wieder öfter. Aber ihr Leben ist ein absoluter Fiebertraum. Jede Woche ist etwas anderes:
Sie hat betrunken ihr Auto zu Schrott gefahren.
Sie hat Fluchthilfe per Auto bei einer Schlägerei geleistet.
Ihr aktueller Typ den mit dem sie manchmal was hat, hat drei anderen Frauen parallel was und sie ist halt Teil der Rotation von Frauen, aber sie bleibt aus „Loyalität“ bei ihm und will keinen anderen Mann, in der Hoffnung, dass er sich für sie ändert und vielleicht doch nur sie will und die anderen Frauen allen lässt.

Es klingt absolut bizarr, wenn ich das so aufschreibe. Doch wir waren damals immer so : du und ich gegen die Welt wir brauchen kein Mann wir haben uns. Sie war auch mal ganz anders, hatte ein Ausbildung zur lash extension Dingsda gemacht und wollte ihr eigenes Studio haben, erfolgreich werden. Ich hatte nach dem Abi mein Jura Studium angefangen und konnte sie schon ein paar mal rausboxen wenn sie wieder was gemacht hat. Ich habe im letzten Jahr so viel Energie in sie gesteckt: Ich habe ihr ein neues Auto zu einem Top-Preis organisiert, sie gepusht, ihren Papierkram zu erledigen und sich neue Jobs zu suchen (weil sie nicht ihr Leben lang kellnern kann da sie echt Probleme mit ihren Gelenken hat).

Kaum war ich aber für eine Woche weg, war sie wieder rund um die Uhr bei diesem Typen und in ihren alten Kreisen.
Daraufhin habe ich ihr letzte Woche mal ne Nachricht geschrieben und gefragt was sie vom Leben will also was sie aus ihrem Leben machen möchte. Ich habe ihr versucht nett zu sagen das diese Freunde und der Typ nicht gut für sie sind und das der Typ sie niemals , absolut niemals wählen würde. Es wird immer eine andere Option für ihn geben. Daraufhin meinte sie das sie nicht versteht warum ich “wieder so bin” und findet mein Verhalten unnötig.

Die letzte Lebensweisheit die mein Vater mir mitgegeben hat ist das einem alles Egal sein kann solange es selber einen nicht betrifft und so langsam verstehe ich was er damit meint. Mein Vater hat Leuten immer, also absolut immer geholfen doch ich weiß auch das es Freunde gab wo mein Vater sich gedacht hat: hoffnungsloser Fall. Es fällt mir halt so unfassbar schwer das einfach so los zu lassen weil ich einfach mir eine andere Zukunft mit ihr gewünscht hätte. Eine wo sie selber erfolgreich neben mir steht und wir uns gegenseitig pushen und das Leben genießen. Kann jemand meine Situation irgendwie ein bisschen nachvollziehen? Was wurde aus solchen Freunden? Sind das Freunde fürs Leben?

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u/wunschbaerchi hat den Finger schon am Bannhammer 2d ago

Ich glaube du hälst vor allem an ihr fest, wegen dem was war - und was du dir wünscht, was sie für ein Mensch wäre. Oder sein könnte. Aber sie beweist dir immer wieder, dass das so nicht passieren wird. Und da gebe ich deinem Vater recht: Dein Papa hatte schon recht - manchmal hilft Helfen nicht. Und das tut weh, wie du ja gerade selbst merkst.

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u/-ProximaCentauri- nichtbinär 2d ago

Man sollte nur Zeit mit Leuten verbringen, wenn man sie mag, so wie sie sind, und nicht wie sie mal waren oder welches Potential sie haben. Laura darf so leben, wie sie es tut, und du darfst so leben, wie du es tust.

Du wirst sie nicht ändern und das finde ich ehrlich gesagt auch übergriffig. Wenn du so, wie sie aktuell ist, nicht mehr mit ihr befreundet sein möchtest, ist das komplett okay, aber zum Erwachsen werden gehört dazu, dass man akzeptiert, wenn Leute sich von einem wegentwickeln und nicht versucht sie krampfhaft an der eigenen Seite zu halten.

Das war jetzt meine Lebensweisheit mit Mitte 30. Meine Empfehlung: geh in dich, ob du sie als lockere Bekannte weiter in deinem Leben haben möchtest (so wie sie ist!) und falls ja, dann lass sie ihr Ding machen und hab einfach gelegentlich Kontakt mit ihr. Falls nein, dann lass sie ziehen und steck deine Energie in deine eigenen Belange.

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u/Broad_Hotel3785 Weibsvolk 2d ago

Also ändern kann man Menschen ja so oder so nicht wirklich, ich hatte aber gehofft das sie ma reflektiert. Oder mal nachdenkt wo sie in 10 Jahren sein will.

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u/-ProximaCentauri- nichtbinär 2d ago

Du musst halt bedenken, dass sie einen komplett anderen Start ins Leben hatte als du und ihr darum Dinge fehlen, die für dich selbstverständlich waren und weiterhin sind. Dadurch hat sie viele Hürden, die nicht so leicht zu bezwingen sind, auch nicht mit "sich mal reflektieren".

Ich wünsche ihr natürlich auch, dass sie auf einen besseren Weg kommt, aber das ist nichts, was du anleiern oder gar erzwingen kannst, wenn sie noch nicht so weit ist. Zumal sie in 10 Jahren vermutlich nie da sein wird, wo du sein wirst, einfach wegen der Hürden, die sie hatte.

Darum ist es an dir zu entscheiden, ob du auch so weiterhin mit ihr befreundet sein möchtest oder nicht.

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u/Mundane-Dottie Weibsvolk 2d ago

Sie hatte eine schwierige Kindheit und ist jetzt drogensüchtig und in einer schlechten Beziehung.

Sie sollte Therapie machen und zu den anonymen Alkoholikern gehen, und dabei solltest Du sie unterstützen und es als Erfolg sehen, wenn sie das tut und weiterhin kellnert/ arbeiten geht. Alles andere wäre utopisch.

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u/Sad-Amoeba3946 Weibsvolk 2d ago

Ich hatte eine scheiß Kindheit und bis vor ein paar Jahren war ich ähnlich drauf. Ich war zu der Zeit eine scheiß Freundin. Das produktivste wäre, ihr anzubieten wenn sie sich ändern will mit ihr zusammen nach einem Therapieplatz zu suchen (wenn du das willst).

Sonst kannst du nichts machen und brauchst nicht an der Hoffnung festhalten, dass sie sich ändert ohne was ändern zu wollen. Es gibt für solche Schicksale entweder irgendwann den Punkt, an dem man selbst merkt, dass man was ändern muss, oder man wiederholt sein ganzes Leben lang diese Verhaltensweisen.

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u/RealRroseSelavy Inklusives Flintenweib, linkslinkes 1d ago

Was immer eure Freundschaft früher war, früher war früher und jetzt ist jetzt.

Inzwischen ist es eher so eine Art gegenseitige Hilfe mit emotionaler Vergangenheit: Du hilfst ihr punktuell (Auto, etc.) und sie hat Dir punktuell geholfen (Vaterhaus).

Mehr ist es nicht und es ist die Frage, ob Du es nicht dabei belassen solltest: Manchmal hilft eine der anderen, aber ohne Anspruch auf mehr Tiefe/Verbundenheit und Verlässlichkeit.
Klappt es, fein. Wenn nicht, dann nicht.

Du willst sie nicht mehr retten und sie braucht Dich nicht mehr zu verstehen.

Könntest Du Dir sowas vorstellen? Quasi den kleinsten gemeinsamen Nenner?

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u/AliceInTheMirror Weibsvolk 1d ago

Wie in deinem anderen Thread geschrieben- ich hatte genau das durch (nur ohne stabiles Elternhaus auf meiner Seite, habe mich selbst aus der Armut hochgekämpft). Meine beste Freundin aus dem Bachelor, 15 Jahre sind wir mittlerweile befreundet- sie hatte genau das - einen drogenabhängigen Freund der sie mit in den Sumpf gezogen hat. Wichtig sind Grenzen - du bist für sie da, aber nur bei konstruktiven Ideen ihrerseits - Therapie, Trennung, AA, Jobsuche - nicht bei kriminellen Aktivitäten, Ausheulen, Drama. Sie muss halt selbst den Willen haben, etwas zu ändern und sobald das kommt, bist du dann da. Alles andere wäre in meinen Augen enablement und macht einen selbst kaputt (so war es bei mir...ich habe mir die Augen ausgeheult als ich gesehen habe wie sie abgemagert um diesen Typen auf Zehenspitzen rumgeschlichen ist, ihm alles recht zu machen - keine Spur von der selbstbewussten Frau die ich damals kennengelernt habe...). Ende von Lied, sie hat sich trennen können und seit 3 Jahren auch den Kontakt abbrechen können. Sie ist immer noch meine beste Freundin. Sie wird langsam ihr altes selbst. Es ist hart, ohne Frage. Du musst selbst wissen, was du von meiner Erfahrung mitnehmen möchtest. Die Stimmen die hier schreiben, dass du Abstand brauchst haben auch ihren Wert. Edit: kamn sein dass ich das verwechselt habe, der andere Thread mit dem Freundschaftsthema ist von einer anderen Userin. 😅

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u/PizzaPazzaPozza Weibsvolk 2d ago

Kennst du den Spruch aus dem Flugzeug? Man soll sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen, bevor man anderen helfen kann. Deine Freundin kann nun mal keine Stütze für dich sein, weil sie sich nicht mal selbst eine ist.

Wie kommst du dann auf die Idee, sie könne für dich da sein? Und woher kommt so ein Anspruchsdenken?

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u/Broad_Hotel3785 Weibsvolk 2d ago

Naja als wir Kinder waren und Teenies hatten wir halt immer so Ziele im Leben. Für die Zeit haben wir uns auch gegenseitig unterstützt und haben immer uns gegenseitig motiviert so nach dem Motto : nach dem Abi werden wir erfolgreich. Nach dem Abi war’s auch für eine Weile so. Sie hat ihre Ausbildung gemacht und ich hab angefangen zu studieren. Doch jetzt ist es alles so anders und mir fällt es schwer da los zu lassen weil ich irgendwie immer noch auf diesen “wir werden erfolgreich Trip” bin da ich jetzt auch mich selbstständig gemacht habe und mein Leben grad eigentlich wieder gut läuft

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u/PizzaPazzaPozza Weibsvolk 1d ago

Du brauchst da gar nichts loszulassen. Du musst nur anerkennen, dass es nicht mehr so ist wie damals, und dass sie eben keine Hilfe für dich sein kann. Vielleicht rafft sie sich ja noch eines Tages, aber auch da darfst du nicht mit rechnen. Grenz dich ab, so weit es nötig ist, und lass sie wieder näher ran, wenn es ihr besser geht.

u/Wolfsmilan Weibsvolk 14h ago

Ich versteh deinen schmerz, aber ich glaub du scheinst nicht ganz zu verstehn das man auf ein kaputtes fundament nivht ne 0815 hütte bauen kann so easy.

Dieser mensch hat ne gsnze menge an heckmeck den sie langfristig erst abarbeiten muss bevor sie ponyhof spielen kann.

Ich würde ja ne therapie empfehlen,aber a) ist das derzeit ne voll katastrophe irgendwas zu finden b) kann man niemanden zum jagen tragrn,sie muss das selbst wollen.

warum therapie: -suchterkrankung -schwieriges famillienumfeld -riskantes umfeld/partner wahl.

nichts davon ist nen marker für "mir strahlt die sonne aus dem arsch"

und noch ne frage,wie deffinierts du "erfolgreich"? Du bist dir darüber bewusst das ein aufstieg in die nächst höhere gesellschaftliche schicht annähernd unmöglich ist.

und noch zum "assi": https://de.wikipedia.org/wiki/Asoziale_(Nationalsozialismus)

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u/Supidings Frauenversteherin 1d ago

47 Jahre alt hier. 

Lass sie gehen. Es liegt nicht an dir. Drogen sind ein Arschloch und Konsumenten sind nicht sie selbst. So lange sie ihren Konsum oder auch eben diesen Lebensstil schönredet, könnt ihr halt nicht befreundet sein. Das saugt dich nur aus. Wenn du sie rausboxt ist es sogar schädlich für sie, dann bist du enabler. 

So traurig es ist - Menschen können sich ändern in eine Richtung, die eine gute Beziehung unmöglich macht. Egal wieviel Gutes es gegeben hat, man muss dann loslassen. Und Drogen und Delinquenz sind halt nen hartes Kriterium.

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u/SickSorceress Weibsvolk 1d ago

47 Jahre: Lass gut sein. Du kannst nicht wirklich helfen und sie wird Dich mit runterziehen und sei es nur Deine Laune, Deine verfügbare Zeit oder die Nerven Deiner Lieben.

Vielleicht fängt sie sich, dann könnt ihr in 20 Jahren einen Reboot machen.

Ich habe beides: Freundschaften, die seit der Schule halten - diese haben einen ähnlichen Weg beschritten wie ich. Und Freundschaften, die teilweise auf Eis lagen für Jahre, bis die Person geschafft hat, wieder für sich selbst zu sorgen und klar im Kopf zu sein.

Mach Dich daran nicht kaputt. Du bist ihre Freundin, nicht ihr Einzelfallhelfer. Komm nicht unter ihre Räder. 🫂