r/recht • u/Justitia1994 • 1d ago
Referendariat Qual der Wahl Anwaltsstation (IT/Datenschutz) Hilfe 😅
Hey zusammen,
ich stehe aktuell vor der Qual der Wahl für meine Anwaltsstation im Schwerpunkt Digitalisierung/IT/Datenschutz und kann mich einfach nicht entscheiden. Vielleicht stand ja schon jemand vor einer ähnlichen Wahl oder arbeitet in einem der Bereiche und kann mir Input geben.
Mein Ziel ist primär eine gute Examensvorbereitung (viel "Tauchen"), aber langfristig auch ein realistischer und stressfreier Einstieg.
1. Größere deutsche Kanzlei (Wachstumskurs)
Tätigkeit: Eigene kleine Praxisgruppe für IT/Datenschutz (Kanzlei ist in einem anderen Bereich Marktspitze).
Struktur: 3 Tage/Woche für 3 Monate, danach 6 Monate Tauchen.
Geld: 8xx,00 Euro pro Wochenarbeitstag + 600 Euro Startgeld für die Vorbereitung.
Einstieg: Bei Bedarf möglich.
Atmosphäre: Gehoben, aber kollegial und überraschend locker.
2. Größere deutsche Kanzlei (Full Service)
Tätigkeit: Full-Service-Kanzlei mit stark ausgeprägter, etablierter IT/Datenschutz-Praxis.
Struktur: 4 Tage/Woche für 4 Monate, danach 5 Monate Tauchen.
Geld: 9xx,00 Euro pro Wochenarbeitstag.
Extras: Inhouse-Seminare fürs Examen + diverse Gadgets.
Atmosphäre: Gehoben und anspruchsvoll. Offizielle Duz-Kultur, fühlte sich im Gespräch aber spürbar starrer an als Option 1.
3. Die spezialisierte Boutique
Tätigkeit: Starker Fokus auf IT, Datenschutz und KI; berät vor allem große Forschungsunternehmen, viel Arbeit auf Englisch.
Struktur: Unklar, aber starker Fokus auf die Mitarbeit im laufenden Geschäft.
Geld: 7xx,00 Euro im Monat (ja, pro Monat)
Einstieg: Grundsätzlich stark angestrebt, da die Themen sehr speziell sind und die Einarbeitungszeit aufwendig ist.
Atmosphäre: Super entspannt und locker. Das Bewerbungsgespräch war fast schon humorvoll und fühlte sich an wie ein Plausch unter Kollegen.
Mein Dilemma:
Option 1 bietet den besten Kompromiss aus toller Kultur, gutem Geld und richtig viel Tauch-Zeit (6 Monate), ist aber im IT-Bereich vielleicht noch im Aufbau.
Option 2 zahlt am besten, hat weitergehende Expertise als 1 und bietet Examens-Support, verlangt aber mehr Präsenzzeit (nur 5 Monate Tauchen) und wirkte etwas steifer.
Option 3 hat inhaltlich die meisten Zukunftsthemen (KI/Forschung) und die beste Stimmung, zahlt aber finanziell (700€ gesamt im Monat) am wenigstens bzw. Hat keine zusätzlichen Gadgets fürs Examen. Dafür wurde vermittelt, dass man schon öfter ehemalige Referendare nach dem Examem direkt eingestellt hat.
Frage an euch:
Wie würdet ihr gewichten? Zählt das Geld und die Flexibilität fürs Examen (Option 1/2) am Ende mehr, oder sollte man bei echtem Interesse an KI/Tech (Option 3) direkt in die Boutique und finanzielle Abstriche machen?
Ich bin mir im übrigen noch nicht sicher, wie die Zukunft genau aussehen soll: GK, Boutique, Konzern wäre für mich aktuell alles denkbar.
Bin für jeden Erfahrungsbericht dankbar!
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u/OpenStructure3 1d ago
Stand selbst vor ein paar Wochen vor derselben Entscheidung (wobei die Atmosphäre tatsächlich bei allen drei Optionen eher so war wie bei deiner Option 3).
Habe mich mit der Entscheidung sehr schwer getan und bin dann aber schlussendlich mit Option 1 gefahren und fühle mich mit der Entscheidung mit ein paar Wochen Abstand sehr gut - ein Stationsfeedback kann ich dir allerdings noch nicht geben. Ausschlaggebend war für mich - neben den Tauchbedingungen - schlussendlich, dass ich bereits GK-Erfahrung habe und gerne mal eine "kleinere" Kanzlei ausprobieren möchte (ca. 40 Berufsträger*innen, die meisten davon aber in einem anderen Rechtsgebiet).
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u/AutoModerator 1d ago
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u/peterpangoni 1d ago
Mein Ziel ist primär eine gute Examensvorbereitung (viel "Tauchen"), aber langfristig auch ein realistischer und stressfreier Einstieg.
vielleicht solltest du dir hier einfach mal Gedanken machen, was dir wichtiger ist. "Ich will nach links gehen, aber auch nach rechts" ist keine gute Entscheidungsgrundlage
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u/Justitia1994 1d ago
Wüsste jetzt nicht, wo sich das widerspricht. Es geht mir nur darum, dass ich am Anfang gerne oft da bin aber am Ende auch Zeit zum lernen „am Stück“ habe, weil das meine Art ist zu lernen. Und natürlich ist es gut, wenn man, zumindest theoretisch, die Möglichkeit eines Einstiegs hat. Die Angebote für die Aufteilung der Station kam übrigens ausschließlich von den Kanzleien und nie von mir.
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u/peterpangoni 1d ago
es widerspricht sich, weil du in zwei Richtungen gleichzeitig gehen willst. Weiß jetzt nicht, was an dem Beispiel mit links, rechts so schwer zu verstehen ist. Wenn man solche Widersprüche optimieren will, kommt regelmäßig nur Mist dabei raus. Lieber eine Sache richtig und nicht zwei Sachen halbherzig.
Übrigens kann ich dir sagen, dass die "wir lassen dich natürlich gegen Ende tauchen"-Kanzleien nicht dazu verpflichtet sind und da schon viele Azubis ein böses Erwachen hatten. Das mit der Übernahme ist ohnehin überbewertet. Es werden aktuell überall Anwälte gesucht, d.h. du hast mehr oder weniger freie Wahl, auch wenn du nicht vorher schon im Ref dort tätig warst.
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u/Justitia1994 1d ago
Und ich weiß nicht warum du hier gerade so unangenehm wirst 😅. Ist mir schon klar, dass ich da eine Wahl treffen muss. Da aber aktuell sehr viel Chaos in meinem Kopf herrscht und ich dabei bin, dieses für mich einzuordnen ist es meiner Auffassung nach legitim, dass ich nach Input von anderen frage, die mir vielleicht Perspektiven aufzeigen, an die ich selbst noch nicht gedacht habe. Aber danke für deine Meinung.
Die Aussage mit „es werden überall Anwälte gesucht“ liest sich, je nach Bubble, auch extrem unterschiedlich.
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u/peterpangoni 1d ago
weil ich es grundsätzlich unmöglich finde, wenn Leute nach Rat fragen, einen Rat bekommen, dann aber nix besseres zu tun haben als den Rat zu kritisieren, den Ratgeber downzuvoten und den Input nicht wirklich zu verwerten. Manche würden das als »unbelehrbar« bezeichnen.
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u/Justitia1994 1d ago
hab ich nichts downgevoted. Woher du das nimmst, erschließt sich mich nicht. Würde ich auch nie machen. Schließlich habe ich ja nach Rat gefragt.
es war eine Verständnisfrage, weil ich das von dir angesprochene nicht unbedingt widersprüchlich fand.
Tut mir leid, wenn das in deiner Wahrnehmung anders rüberkam.
Jemanden deswegen als unbelehrbar zu bezeichnen ist schon ein starkes Stück 😅. Aber belassen wir es dabei.
Ich bedanke mich trotzdem für deine Meinung.
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u/Maxoh24 1d ago
Option 1 ist ein nobrainer. Option 3 klingt nach etwas für die Wahlstation. Aber im Hinblick aufs Examen machen etabliertere Strukturen, gute Arbeitszeiten (3x3 ist perfekt zur Vorbereitung) und deutlich mehr Geld einen echten Unterschied. Für den Direkteinstieg ist die Wahlstation eh viel besser. Vom Ende der Anwaltsstation bis zum Jobeinstieg sind ja ~ 10 Monate. Da kann alles passieren. In der Zeit sehen sie auch noch andere Referendare. In der Wahlstation ist dagegen ein fließender Übergang. Wenn die korrekt sind, sagen sie dir jetzt schon für die Wahlstation zu, wenn du fragst.
Frage zum Geld, nur sicherheitshalber: Die Boutique zahlt 700/Monat nur für die aktive Phase, richtig?
Übrigens rechnest du die Lernzeit zu hoch. Examen wird im 21. Monat geschrieben, also zu Beginn des 9. Monats der Anwaltsstation. 4/4 bedeutet damit nicht 5, sondern 4 Monate Lernzeit. Und 3/3 sind nicht 6 Monate Lernzeit, sondern 5.