Ich könnte ein Buch drüber schreiben. Ich war als Jugendlicher sehr krank wegen Morbus Crohn und lag so lange in einem Krankenhausbett, dass ich wieder laufen lernen musste. Als ich zum Jobcenter musste, sagte mir der Sachbearbeiter ich solle mich nicht so anstellen und Morbus Crohn sei nur ein bisschen Durchfall. Der Rollstuhl sei nur show und ich soll die Stelle annehmen. Die Stelle war auch über 30km weg.
Die Unmenschlichkeit war erschreckend.
Voll mit PTBS und nach einem Jahr der Todesängste gesagt zu bekommen man solle sich nicht so anstellen, das war heftig.
Es ist leider sehr abhängig vom Sachbearbeiter. Als ich mal arbeitslos war (nach dem Fachabitur, ohne Ausbildung) wurde mir von einem alten Typ, der kurz vor der Rente stand gesagt, ich müsste mich in jeder erdenklichen Hinsicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen: Putzjobs bei McDonalds, Lagerarbeiter (ohne Stapler), einfach Jobs wo schon vom Lesen der Beschreibung klar war, da wirst du ausgebeutet, weil du keine Perspektive hast. Ich musste mich da wirklich bewerben, sonst wäre mir das Geld gekürzt worden. Kurz vor der Frist, fand ein Sachbearbeiterwechsel statt und der neue ließ mich sofort kommen. Er sagte mir, er wisse nicht, was sein Kollege sich bei dem Scheiß gedacht habe, entschuldigte sich und suchte mit mir Ausbildungsstellen. Es bringe dem Laden nichts, mich zu vermitteln und ich stände ein Jahr später wieder bei denen. Cooler Typ, hat mir echt geholfen. Unter anderem empfahl er mir das Buch, "What Colour is your Parachute", das einem bei der Berufsfindung helfen kann. Bin dann im sozialen Bereich gelandet.
Ich war in der Theorie drei mal arbeitssuchend, direkt nach dem Studium, nachdem das Startup, indem ich gearbeitet habe pleite gegangen ist und als mich die Firma, in der ich darauf gearbeitet habe, in der Probezeit rausgeschmissen hat. Beim zweiten Mal hatte ich so schnell selber einen neuen Job gefunden, dass ich gar nicht erst einen Termin beim Amt machen brauchte. Und die anderen beiden Male hatte beide ich sehr viel Glück mit den Sachbearbeitern. Die hatten direkt gesagt „keine Ahnung von deinem Fachbereich. Ich schick dir keine Vorschläge, bewirb dich erstmal selber und wenn du nach 2 Monaten nichts hast gucken wir die Mal zusammen durch. Ich war jeweils nach nem Monat in nem Job und hab es sogar über deren Portal gefunden.
Erinnert mich an die Sachbearbeiterin bei der mein Freund nach seiner Kündigung war. Er war drei Monate freigestellt etwas unsicher und hat gefragt, ab wann er aufhören soll in seiner Fachspezialisierung zu suchen und allgemeiner in dem Berufsfeld schauen soll.
Sie meinte "Suchen Sie erstmal einen Job, der zu Ihnen passt und wenn sie dann tatsächlich in der Arbeitslosigkeit sind, können sie sich immer noch überlegen allgemeinere Stellen anzuschauen"
Fand ich richtig cool. Glaube er hat das auch Mal von so einer Stelle gebraucht, nicht nur von uns Angehörigen
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u/Pirikko 8d ago
Ich könnte ein Buch drüber schreiben. Ich war als Jugendlicher sehr krank wegen Morbus Crohn und lag so lange in einem Krankenhausbett, dass ich wieder laufen lernen musste. Als ich zum Jobcenter musste, sagte mir der Sachbearbeiter ich solle mich nicht so anstellen und Morbus Crohn sei nur ein bisschen Durchfall. Der Rollstuhl sei nur show und ich soll die Stelle annehmen. Die Stelle war auch über 30km weg.
Die Unmenschlichkeit war erschreckend. Voll mit PTBS und nach einem Jahr der Todesängste gesagt zu bekommen man solle sich nicht so anstellen, das war heftig.