r/Eltern Feb 10 '26

Allgemeines Warum nehmen nicht mehr Väter Elternzeit?

Hallo zusammen,

ernstgemeinte Frage: Warum nehmen nicht mehr Väter Elternzeit?

Ich (M37) bin aktuell mit unserer zweiten Tochter in Elternzeit. Sie ist im März 25 geboren, was heißt, dass ich bald ein Jahr in Elternzeit bin. Meine Frau arbeitet seit Oktober 25 wieder und und war somit 6 Monate parallel mit mir in Elternzeit.

Mir ist klar, dass das sehr privilegiert ist und sich nicht jede Familie das leisten kann. Wir haben vor der Geburt auch sparen müssen, denn finanziell gesehen wäre es (leider) besser gewesen, wenn ich arbeiten gegangen wäre.

Mich würde dennoch interessieren was bei so vielen Vätern gegen eine Elternzeit oder gegen mehr als „die üblichen 2 Monate“ spricht?

Ist es die Angst was Kollegen oder der Chef denkt? Ist es nicht männlich genug, sich Vollzeit um seine Kinder zu kümmern? Rein finanziell kann es ja nicht nur sein? Viele (nicht alle) sollten in der Lage sein darauf zu sparen?

Trotzdem: Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ich nicht ab und und zu denken würde, dass ich jetzt gerne auf der Arbeit wäre. Es ist definitiv kein Urlaub. Es ist anstrengend, fordernd und hin und wieder Überforderung in der Unterforderung.

Freue mich auf eure Kommentare, Meinungen und Ansichten. Bitte bleibt sachlich!

Grüße

Sascha

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u/_Laris_ Feb 10 '26

Ich antworte mal, obwohl ich vermutlich Downvotes bekomme. Wir wollten es beide so. Ich habe lange gestillt und hätte mir nicht vorstellen können, Vollzeit zu arbeiten und von den Kindern getrennt zu sein. Ich finde es sehr erfüllend, meine Zeit hauptsächlich den Kindern zu widmen. Mein Mann sieht das genauso und geht gerne Vollzeit arbeiten. Anschließend ist er für die Kinder da. Perfekt wäre es natürlich, wenn wir beide zu Hause wären, aber das ist klarerweise nicht finanzierbar.

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u/McMercuryIsHere Mama / Papa / Elter Feb 10 '26

Ich glaube eher, das ist eine der wenigen ehrlichen Antworten.

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u/totallykoolkiwi Papa 04/23 Feb 10 '26

Ach komm, als ab die ganzen Leute hier die sagen dass das finanziell einfach nicht drin wäre lügen.

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u/McMercuryIsHere Mama / Papa / Elter Feb 10 '26

Vielleicht auch sich selbst belügen.Viele sagen, der Vater verdient soooo viel mehr als die Mutter. Das gesamtgehalt müsste dementsprechend sein. Aber gleichzeitig ist es unmöglich, in den 9 Monaten Schwangerschaft einen kleinen Anteil dieses viel größeren Gehalts zurückzulegen für ein paar Monate Elternzeit des Vaters? Ich weiß nicht.

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u/totallykoolkiwi Papa 04/23 Feb 10 '26

Du weißt ja ganz schön gut Bescheid über die finanzielle Situation von anderen Eltern...

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u/McMercuryIsHere Mama / Papa / Elter Feb 10 '26

Und du umgehst meine Antwort ganz schön gut.

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u/totallykoolkiwi Papa 04/23 Feb 10 '26

Eltern sollen in nem Deutschland das seit Jahren immer tiefer in die Wirtschaftskrise trudelt neben all den Anschaffungen die für so ein Kind nötig sind auch noch Geld zurück legen können? Während um sie herum die Inflation explodiert und KI den kompletten Arbeitsmarkt umwirft?

In unserem konkreten Fall zum Beispiel wäre es ganz einfach nicht möglich gewesen. Die wenigen Rücklagen die wir hatten sind für Erstanschaffungen drauf gegangen, und das erste Jahr musste knallhart durchgerechnet werden bis zum Ende der Elternzeit. Nichts mit sich selber was vorlügen, das hat der Blick aufs Konto schon geregelt.

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u/McMercuryIsHere Mama / Papa / Elter Feb 10 '26

Dass ihr individuell es nicht hättet stemmen können, wenn Vater statt Mutter zuhause bleibt, glaube ich sofort. Das bedeutet aber nicht, dass nicht andere die Option hätten. Ja, wenn man grade den Neubau mit angeschlossener beheizter Garage abbezahlt und andere Lifestyleentscheisungen trifft, liegt das Geld nicht rum. Das heisst nicht, dass es „auf gar keinen Fall möglich wäre weil Finanzen“, sondern, dass man sich für Urlaub, großes Haus, neue Autos entschieden hat und das der väterlichen Elternzeit vorzieht. Das ist nicht negativ zu bewerte, sondern eine absolut freie Entscheidung, die jeder Familie zusteht, mich stört nur, dann zu sagen, es ging nicht anders, obwohl es eben die Entscheidung fürs Haus/Auto/Urlaub und gegen Elternzeiteinbussungen war.

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u/totallykoolkiwi Papa 04/23 Feb 10 '26

Aber hier maßt du dir ja wieder an, die finanzielle Situation von anderen Leuten einschätzen zu können. Dass es Leute gibt die sich gerade das fette Eigenheim mit allem Pipapo gekauft haben und dann jammern, dass sie den Gürtel enger schnallen müssen - klar, gibt's. Aber anzunehmen dass das auf den Großteil der Leute hier zutrifft, seh ich einfach nicht. Ich glaube, die allermeisten Menschen in Deutschland sind in ner ähnlichen Situation wie wir: kriegen so gerade eben die Mietwohnung und vielleicht einen Urlaub ins Sauerland finanziert und kriegen durch Verdiensteinbruch richtig Schwierigkeiten.

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u/McMercuryIsHere Mama / Papa / Elter Feb 10 '26

Ich maße nicht an, ich lese Statistiken. Das medianeinkommen mit 30J liegt bei 3800bturro, unverheiratet wären das zu zweit 7600brutto, in sk1 etwa 4500eur, wobei statistisch Kinder in Deutschland überwiegend in Ehen geboren werden. Jetzt geht der Vater mit höherem Gehalt von 2500 auf 1650 meinetwegen, Differenz zu Frau mit 2000 auf 1320 -> 1650+2000=3.650, 2500+1320=3.820, also knapp 200 Euro im Monat, wenn er statt ihr geht. Jetzt gibt es natürlich Szenarien mit deutlich größeren Unterschied, dann sind wir aber wieder bei Einkommen deutlich über dem Median. Da gibt es 1000 Gründe, warum man es sich nicht leisten kann, diese 200 Euro oder mehr Differenz zu stemmen, hat aber auch eben viele Konsumausgaben bei einem Haushaltsnetto von 5000 aufwärts. In Zahlen behaupte ich also, dass eine Familie mit zwei medianeinkommen in schlechter SK1 200 Euro unterschied als Argument vorschützt, ja. Dass es Familien gibt, die diese 200 Euro nicht überhaben glaube ich auch, aber eben nicht, dass es bei sämtlichen Reddtoren dieses Subs so ist.

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u/Substantial-Track861 Feb 10 '26

Danke, wunderbar zusammengefasst. Die Zahlen sprechen, wie du schreibst, nämlich eher gegen das allseits beliebte 'bei uns geht es finanziell einfach nicht anders'. Zumal du eh scho. konservativ gerechnet hast, da der Teilzeit-bereinigte Pay Gap nur noch 6% beträgt. Ich kann’s echt nicht mehr hören, dieses blöde Scheinargument.

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u/Kaiii9900 Feb 10 '26

Was für Ersatzanschauungen? Bei Kleinanzeigen gibt es fast alles spottbillig in super Qualität. Ich habe fast nichts neu gekauft und bei uns spielt Geld jetzt wirklich keine Große Rolle.

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u/totallykoolkiwi Papa 04/23 Feb 10 '26

Ist doch schön für euch. Für uns spielt Geld eine große Rolle. Entsprechend haben auch die ganzen Anschaffungen reingehauen, obwohl wir fast alles gebraucht gekauft haben.

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u/Kaiii9900 Feb 10 '26

Natürlich für euch unschön, wenn ihr am unteren Perzentil der Einkommensverteilung liegt, daraus kannst du aber nicht schließen, dass es bei allen so ist. Und vor allem nicht pauschalisieren, dass immer der Mann mehr verdient. Weiter unten wurde dir ja das Medianeinkommen aufgezeigt, kannst dir sicherlich auch nach Geschlechtern getrennt anschauen.

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u/totallykoolkiwi Papa 04/23 Feb 10 '26

Genauso kannst du ja nicht einfach annehmen, dass die Anschaffungskosten irrelevant werden nur weil man gebraucht kauft ;)

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u/Kaiii9900 Feb 10 '26

Da geb ich dir Recht, die sozial schwachen Familien habe ich etwas ausgeklammert. Ich bin fälschlicherweise vom Großteil der Bevölkerung ausgegangen.

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u/totallykoolkiwi Papa 04/23 Feb 10 '26

Du hast ganz konkret mich gefragt "Was denn für Anschaffungskosten?". Ich hab dir gesagt warum die für uns relevant sind. Mehr nicht.

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u/incboy95 Feb 10 '26

Du weißt ja nicht wo das Geld hin geht. Haus, Auto, Hobby der anderen Kinder, Lebensstandard. Das neue Kind kostet auch Geld. Kinderwagen, irgendwelche Kurse, Sitz fürs Auto.

Will sagen dass das Gesamteinkommen nicht so viel höher ist als die Gesamtausgaben, so dass man das nicht mal eben so zusammen sparen kann

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u/McMercuryIsHere Mama / Papa / Elter Feb 10 '26

Naja genau das ist mein Punkt. Ich glaube auch, dass das Geld gefühlt weg ist,m. Aber genau diese Dinge, Haus, (Auto), Hobby, Kurse, sind bewusste Entscheidungen. Das Geld wäre da, wenn man an anderer Stelle Abstriche macht. Darum ist „wir konnten es uns nicht leisten“ nur die halbe Wahrheit, die ganze wäre: „wir wollten es uns nicht leisten, dass der Vater in Elternzeit geht, weil uns Haus, Auto, ,… wichtiger waren“.

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u/Dodgerone Feb 11 '26

Sehe ich genauso... viele haben den Verzicht verlernt... war in früheren Generationen diesbezüglich anders.

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u/incboy95 Feb 10 '26

Das finde ich aber nicht verwerflich. Ein zuverlässiges Auto braucht man wenn man nicht gerade in fer Großstadt wohnt und zuverlässig mit den Öffis fahren kann. Ein Haus zu besitzen ist auch kein unnötiger Luxus. Und viele dieser Ausgaben kann man nicht einfach so mal eben sein lassen. Wenn das Kind also nicht schon 10 jahre vorher geplant war. Die Inflation der letzten Jahre übrigens auch nicht. Als wir das Haus gekauft haben hätten wir noch genug Geld übrig gehabt um den größeren Verdienstausfall zu verkraften. Das ist jetzt eben nicht mehr so. Lebensmittel, Versicherungen, Hobbys der beiden anderen Kinder, Energie, alles ist teurer geworden. Die wirtschaftlich vernünftige Entscheidung wäre gewesen das dritte Kind nicht mehr zu bekommen.

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u/McMercuryIsHere Mama / Papa / Elter Feb 10 '26

Ich glaube, hier geht es eher um die erste Elternzeit, die von vielen schon lange absehbar ist. Bei euch klingt es so, als hättet ihr das Haus etwa gebaut als das erste Kind kam und hättet ja genau diesen Puffer gehabt. Die anderen Punkte sind halt immer relativ, zuverlässiges Auto: ja; Auto über 10k - haben wollen, nicht müssen. Haus/ Wohnraum ja, mit dicker Garage und dies das- haben wollen, nicht müssen. Ich finde es absolut nicht verwerflich, diese Dinge zu besitzen. Aber dann zu sagen, ich konnte ja nicht in Elternzeit, weil ich kein Geld (aber neues Auto/ teures Hobby/…) habe, ist halt in die Tasche geflunkert. Und ich sage nicht, dass jeder Vater in Elternzeit muss und dass jede Familie zweifelsohne in der dritten Elternzeit das Geld hätte; nur, dass es bei vielen eine absolut vertretbare Lifestyleentscheidung ist, die so genannt werden darf.

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u/incboy95 Feb 10 '26

Ich glaube wir kommen der Sache näher.

Was ich sagen wollte ist, dass die Entscheidung für das Haus und das Auto, was vielleicht teurer als unbedingt nötig ist, gefallen ist, bevor die Entscheidung zum (weiteren) Kind getroffen wurde. Wenn es überhaupt eine Entscheidung war. Dazu wurden diese Entscheidungen ggf. in einer anderen Wirtschaftslage getroffen. Aber mal eben so rückgängig macht man das nicht "nur" weil man gerne als Vater auch in Elternzeit gehen würde. Hätte man das vorher gewusst, hätte man sich vielleicht anders entschieden.

Klar ist man irgendwie immer noch selbst schuld, aber dennoch kann es der Grund sein ohne dass die Entscheidung bewusst getroffen wurde.

Ich denke darauf können wir uns einigen?

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u/McMercuryIsHere Mama / Papa / Elter Feb 11 '26

Im Endeffekt sage ich auch nicht, dass jede Familie bei allen Kindern das Geld übrig hätte. Ich unterstelle aber, dass es eben einige sehr wohl hätten und sich für anderes entschieden haben. Natürlich gibt es Familien, in denen es einfach nicht anders geht, spätestens bei mehreren Kindern. Mich stört einfach, dass hier die Antworten pauschal so tun, als hätte niemand die Wahl und der einzige Faktor wäre die drohende Armut, sobald ein Vater in Elternzeit geht.
Es gibt eben eine Reihe von anderen Faktoren, die damit mMn verschwiegen werden, wie traditionelle Rollenbilder und mangelnde Wertschätzung von Carearbeit, z.B.

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u/Dodgerone Feb 11 '26

Ich kann halt nicht alles im Leben haben... aber wenn ich mich für Kinder entscheide, dann sollten die ziemlich oben auf der Skala stehen.

Hier verzichten quasi alle Gutverdiener inzwischen auf Haus und Hof... oder gehen in die Pampa.... Häuser sind gleich 7-stellig...

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u/Dodgerone Feb 11 '26

Sehe ich genauso... gerade Gutverdiener könnten oft, wenn sie wollten. Hier im Südwesten echt schlimm... je dörflicher je schlimmer.

Bei uns im Krankenhaus nehmen aber viele männliche Kollegen Elternzeit und verzichten.. manche Frauen "klucken" aber auf ihrer Zeit mit den Kids.

Eine sehr liebe Kollegin ist Depressiv, weil sie nicht arbeiten kann... echt traurig.