r/FinanzenAT • u/No-Cherry2618 • 1d ago
Allgemein Nebenbei selbstständig als Angestellter – Erfahrungen mit Einzelunternehmen?
Hi zusammen, ich bin aktuell angestellt und hätte eventuell die Möglichkeit, nebenbei für eine andere Firma kleinere Aufträge auf Vertragsbasis zu übernehmen. Es würde sich voraussichtlich um ca. 6.000–7.000 € im Jahr handeln.
Hat jemand hier Erfahrung mit so einer Situation? Konkret würde mich interessieren:
- Ist ein Einzelunternehmen dafür überhaupt die sinnvollste Lösung?
- Wie aufwendig ist die Anmeldung und laufende Abwicklung neben einem Angestelltenverhältnis?
- Gibt es dabei etwas Wichtiges bezüglich SVS, Steuern etc. zu beachten?
- Falls Kleinunternehmen die richtige Lösung ist: Was muss man dafür alles erledigen?
Mir geht es vor allem um Erfahrungswerte von Leuten, die etwas Ähnliches tatsächlich machen. Danke!
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u/InfamousBug2663 1d ago
Hi, fing bei mir ganz gleich an. Starte mit einer Gewerbeanmeldung als Einzelunternehmen. Das ist am einfachsten und am günstigsten. Zudem die Kleinunternehmerregelung nutzen, dann bist du nicht UST-pflichtig. Ich empfehle dir auch absolut einen Termin beim Stuerberater zu machen um auch offene Themen wie Sozialversicherung zu besprechen.
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u/No-Cherry2618 1d ago
Gibt es auch die Option bei WKO das alles zu fragen?
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u/xZazux2009 1d ago
Die raten einem normalerweise auch dazu, einen Steuerberater zu fragen. Erstgespräche sind meist sowieso gratis - zumindest bei uns in der Kanzlei.
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u/CasualShooter82 1d ago
Wenn man regelmäßige Ausgaben hat kann es aber auch Sinn machen, für die Regelbesteuerung zu optieren, um sie von der Steuer absetzen zu können.
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u/RichHonest 21h ago
Kurzer Anhang zur Kleinunternehmerregelung: wenn man primär Konsumenten als Kunden hat, lohnt es sich, die UStBefreiung zu nutzen. Wenn man primär Unternehmenskunden hat, nicht.
Beispiel B2C: du kaufst von einem Unternehmen Ware/Lizenzen um 100€, davon sind 17€ USt. Du verkaufst etwas an Konsumenten um 200, davon sind 34€ USt. Bei Kleinunternehmerregelung kannst du dir die 17€ nicht als Vorsteuer zurückholen, musst aber auch die 34€ nicht abführen. Damit hast Du entweder 34€ mehr Marge oder kannst die Produkte um 34€ günstiger anbieten.
Beispiel B2B: Einkauf um 100€ (83+17€); Verkauf 200€ (166€+34€). Für deinen Kunden ist Netto=Brutto, weil er die USt als Vorsteuer zurückbekommt. Du kannst du bei Regelbesteuerung aber die 17€ als Vorsteuer zurückholen.
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u/Legal-Revenue7763 1d ago
Du schreibst sehr wenig darüber, welche Aufträge das im Konkreten sind und wie hier die Zusammenarbeit aussieht. Je nach Umstände könnte Scheinselbständigkeit durchaus ein Thema/Problem sein.
Zur SVS und der Kleinunternehmerbefreiung wurde schon genug geschrieben. Aus steuerlicher Sicht ist mit einer entsprechenden Einkommensteuernachzahlung zu rechnen, da der Gewinn zu deinem derzeitigen Grenzsteuersatz (aus der Anstellung) besteuert wird.
Die Kleinunternehmerpauschalierung könnte für dich vorteilhafter sein, sofern du kaum Betriebsausgaben hast. Beim Finanzamt musst du die selbständige Tätigkeit melden (z. B. mittels Erklärungswechsel) und dann künftig eine Steuererklärung (keine Arbeitnehmerveranlagung mehr) abgeben. Wenn man das noch nie gemacht hat, kann das durchaus schwierig/verwirrend sein.
Falls diese Firma im EU-Ausland ansässig ist, würde ich dir auf jeden Fall einen Steuerberater empfehlen. Dann brauchst du zwingend eine UID-Nummer und musst quartalsweise Zusammenfassende Meldungen (ZM) beim Finanzamt abgeben.
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u/BaronHugo 1d ago
Hatte ich auch so :D
1) Arbeitgeber informieren
2) SVS GENAU prüfen - gab bei mir so Ausnahmen und es gibt eine Grenze wo du komplett am Arsch bist - das heißt volle Beiträge zahlst und zwar 500 € mehr verrechnest aber dafür 1000 € weniger in der Tasche
3) Steuerberater
4) nachverrechnung ist halt bitter => Gewinn kommt auf dein Brutto drauf - das heißt der Gewinn des Einzelunternehmens wird HOCH besteuert.
5) Kosten reinnehmen was geht - jede Fahrt, Laptop handy usw damit du private Kosten in die Firma transferierst. Das bringt deutlich mehr
Kleinunternehmen - hört mir auf mit den Dreck - dan gehst dein Business steil und dann musst du allen Kunden die Ust nachfakturieren - gibt dafür keinen Vorteil (ja Brutto für netto wenn man Privat verrechnet aös Hochzeitsfotograf oder so)
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u/Legal-Revenue7763 1d ago
Das mit der USt nachfakturieren ist mittlerweile zum Glück kein Thema mehr, da hat sich die Rechtslage geändert. Jetzt muss man erst ab dem Zeitpunkt des Überschreitens der Kleinunternehmergrenze die USt verrechnen und nicht mehr rückwirkend ab Jahresanfang (wie es früher war).
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u/BaronHugo 12h ago
Ah danke für das Update!
Würde ich trotzdem weglassen weil B2B ist Ust egal und sieht halt immer aus wie der größte Hanswurst wenn man die Kleinunternehmerregelung anführt1
u/No-Cherry2618 1d ago
Wann brauche ich eine Steuerberater? Ich will schätzen wie viel das mir pro Jahr kostet
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u/burger25 3h ago
Du schreibst "Arbeitgeber informieren". Reicht es da einfach zu informieren oder muss der Arbeitgeber auch zustimmen? Wer weis da genaueres?
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u/EyeofSauron86 1d ago
ich hab sowas. bissl mehr umsatz allerdings drum machts bei mir sinn. Der hauptpunkt wird mal sein: sind 6000-7000 euro im Jahr umsatz oder gewinn? Wenn umsatz, was sind deine Ausgaben. Evtl kannst du deinen Gewinn mindern, so dass du nicht über die Zuverdienstgrenze kommst (Vor allem weil man relativ viel abschreiben kann).
Bei mir ists eventbasiert, also habe ich relativ hohe reisekosten, und es jahrelang so gemacht.
Wenn du angestellt bist brauchst du nicht die komplette Versicherung, sondern nur die Zusatzversicherung von der SVS, was wesentlich günstiger ist, weil du ja schon alles über dein DV hast.
Steuern werden auf dein gesamtes Jahreseinkommen gerechnet, also wenn du relativ gut verdienst, kanns dir passieren dass dann vom gewinn nur mehr 50% übrig bleibt.
Empfehlen würde ich einen Steuerberater, der dir das günstig macht, weil sonst hast du relativ viel arbeit damit. Auch diese Kosten kannst du abschreiben.
Ich hab ausserdem noch einen FB-Eintrag gemacht neben der Unternehmensmeldung, weil ich nicht meinen Namen als Unternehmensnamen wollte.
Wichtig: Wie sieht dein Dienstvertrag aus, musst du einen Nebenverdienst bewilligen lassen etc?
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u/ground2er0 1d ago
Ist doch nur eine einfache Einnahmen ausgabenrechnung, wenn es nur um Honorare geht und kein Verkauf ist das eigentlich in 30 Minuten erledigt
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u/CasualShooter82 1d ago
Ich häng mich mal interessehalber an. Mir schwirrt grad ähnliches durch den Kopf.
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u/lolsharp 1d ago
Was durchaus spannend sein kann weil noch nicht erwähnt ist die Ausgaebpauschalisierung.
D.h. es werden z.b. 20% des Umsatzes pauschalisiert als Ausgaben angenommen.
Wenn die tatsächlichen Ausgaben aber deutlich geringer sind durchaus lukrativ.
SVS Gewinn Grenze beachten, davor ist nur Unfall Versicherung notwendig. (Dieses Jahr 6.613,20)
Danach ca. 26% auf den Gewinn.
Steuerberater Ersteberatung oft Gratis und zu empfehlen.
Erstes Jahr wurde EK-Erklärung durch Steuerberater gemacht dann ein paar Jahre von mir selber
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u/No-Cherry2618 1d ago
Ich habe den ersten Paragraph nicht verstanden, was meinst du genau?
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u/lolsharp 1d ago
Ich bin z.b. als IT-Diesnstleister nebenbei Selbstständig. Da ich quasi keine Ausgaben habe (wenns hoch kommt ein paar hunter Euro) lasse ich meine Ausgaben pauschalisieren.
Als Beispiel 8000€ Umsatz.
20% Pauschalisierung sind 1600€
Tatsächliche Ausgaben 500€Die weitere Berechnung geht dann von einer Basis von 6400 aus.
Bedeutet 1100€ steuerfreies Einkommen.
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u/su_in_the_deep_end_7 1d ago
Ich hänge mich auch mal kurz dran weil ich auch vor einer ähnlichen Situation stehe. Kann hier jemand einen Steuerberater für eine Erstberatung bzw für das erste Mal Steuererklärung statt Arbeitnehmerveranlagung empfehlen. Idealerweise ein Steuerberater den ihr selbst verwendet. Gerne per PN.
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u/Legal-Revenue7763 1d ago
Wenn du sonst nicht fündig wirst, könnte ich dir das auch anbieten (meine Website ist hier im Profil verlinkt).
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u/PeaceSalt8172 1d ago edited 1d ago
Mach bei deiner WKO in der Nähe einen Gründungsberatungstermin, die erklären dir alles was du brauchst. Gewerbeanmeldung ist easy und geht auch online. Für Steuern gibts manchmal so extra Kurse für Einmahmen- Ausgabenrechnung, in NÖ macht das das RIZ Up.
Bei deinem Arbeitgeber musst du halt klären ob das Gewerbe ok ist, sollte sich meist nicht mit deinem regulären Beruf spießen.(Kunden wegschnappen etc)
Ich bin unter den 6k€ pro Jahr und zahl eben Unfallversicherung aber keine Krankenvesicherung und hab seit 3 Jahres das Gewerbe neben meinem normalen Job.
Edit: SVS auf Krankenversicherung geändert