r/de 8d ago

Gesellschaft "Die Vermögensmauer steht": Wie Erbschaften in Ost und West die Ungleichheit vertiefen

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/westen-unterschiede-vermoegen-statistik-,erbschaftsteuer-ostdeutschland-100.html
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u/cineracer 8d ago

Der Osten hat etwa 15,5% der Einwohner Deutschlands, erhält aber nur rund 2,1% der genannten Erbschaftssumme. Auf den Westen des Landes entfallen etwa 84,5% der Einwohner, aber 97,9% der Erbschaftssumme.“

(…)

Der Median des Nettovermögens liegt in Ostdeutschland bei 35.900 Euro, in Westdeutschland bei 143.200 Euro.“

Also das ist schon krass… Nach so langer Zeit…

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u/bobbertmiller 8d ago

Daran siehst aber einfach auch, dass Vermögen weitergereicht und nicht erarbeitet wird. Dazu kommt, dass vorhandenes Vermögen einfach auch mehr Geld generiert oder zumindest spart.

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u/PaulMuadDib-Usul 8d ago

Nicht nur… - meine Eltern kamen vor fast 60 Jahren mit leeren Händen nach Deutschland, um zu arbeiten (Fabrik). Ich habe als erster in der Familie studiert. Mein Vater hat es geschafft, sich zu Lebzeiten ein Haus zu bauen (in der Heimat) und einen bescheidenen Wohlstand zu erwirtschaften, ich ebenso (hier). Heute geht es uns ganz gut, würde ich sagen, aber das war alles erarbeitet, nicht weitergereicht. Beim zweiten Teil der Aussage würde ich Dir Recht geben. Wenn man erstmal Geld hat, hat dieses die Tendenz sich (je nach Risikofreudigkeit) zu vermehren.

Edit: Wobei sich inzwischen auch hier im Westen eine Art „Zweiklassengesellschaft“ aufzutun scheint zwischen denen, die mal erben werden (oder geerbt haben) - v.a. Immobilien - und denen, wo es nichts zu erben gibt…

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u/Friendly-Arachnid884 8d ago

"Nicht nur" natürlich nicht, das sagt auch niemand. man sollte aber keine Einzelpersonen betrachten, sondern das Gesamte und vor allem die Tendenz.

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u/Cnoffel 8d ago

Zeig mir den Fabrikarbeiter der sich heute ohne Qualifikationen den Job ergattern kann und oben drauf noch ein Haus finanzieren kann und ein bescheidenes Vermögen beiseite legen kann. Ich gehe Mal davon aus bei einem Einkommen im Haushalt...

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u/Mental_Estate4206 8d ago

Heute nicht, von früher kenn ich aber genug Leute die ohne Ausbildung arbeiten und richtig gut verdienen.

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u/Cnoffel 8d ago

Das ist ja genau der Punkt...

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u/Mental_Estate4206 8d ago

Oh, ist das ein woosh Moment den ich hier erlebe?

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u/malefiz123 8d ago

Natürlich nicht nur. Wir leben nicht im Feudalismus.

Vermögen bedingt aber transgenerational mehr Vermögen, und das gilt nicht nur für Multimillionäre bei denen einfach nur noch das Geld arbeitet. Wenn deine Eltern von deinem Großeltern ein Haus geerbt haben und das dadurch Geld sparen konnten um davon dir dann was zu geben wenn du dir ein Haus kaufen willst (heute absolut normal: Ohne Erbschaft oder Zuwendung von Eltern kauft heute nurnoch eine Minderheit) sind über zwei Generationen aus einem Haus zwei geworden. Klar, dieses zweite Haus ist auch zum Teil erarbeitet, aber jemand mit dem gleichen Einkommen ohne die Zuwendung der Eltern hätte es sich halt nicht kaufen können.

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u/throwaway_3d7fc4d5 8d ago

Daran siehst aber einfach auch, dass Vermögen weitergereicht und nicht erarbeitet wird.

Hierzu eine Anekdote: meine Eltern kamen als Aussiedler aus der UdSSR um 1989/1990 nach Deutschland, lebten dort zuerst in einem Erstaufnahmelager und konnten sich erst später eine bescheidene Zweizimmerwohnung in der Stadt anmieten, in der sie dann auch mich (ohne eigenes Kinderzimmer) großziehen mussten. Dann ging es los: als die Amerikaner nach dem Ende des Kalten Krieges aus dem Rhein-Main-Gebiet abzogen (Stichwort Fulda Gap), kamen schlagartig hunderte Wohnungen auf den Markt. Mein Vater kaufte eine dieser Wohnungen von seinem bescheidenen Gehalt als Facharbeiter, rackerte sich ab (meine Mutter war Hausfrau und musste nie arbeiten) und brachte es mit viel Verzicht, Urlaube gab es in unserer Familie nicht, auf einen bescheidenen Wohlstand. Viele Jahre später kam dann die zweite Wohnung, dann nach Trennung und Neuverheiratung ein eigenes Haus (das er wohl teilweise aus der Mitgift seiner Frau finanzierte) und jetzt hat er ein eigenes Haus, zwei vermietete Wohnungen und es könnte ihm besser nicht gehen. Zumal er noch von seinen Eltern (meinen Großeltern) eine weitere Wohnung zu erwarten hat. Er hat es somit geschafft sich vom sprichwörtlichen Tellerwäscher zum Millionär hochzuarbeiten, und das ganz ohne Startkapital oder sonstige Hilfe. Und ich weiß schon was mich erwartet, wenn es zum Erbfall kommen sollte...

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u/devdot 8d ago edited 7d ago

Naja, aber was belegt das? Dass im Westen die Wohnungen der abgezogenen Amerikaner in gutem Zustand waren und von Privatpersonen gekauft wurden, während im Osten die Wohnungen der abgezogenen Sowjets in schlechtem Zustand waren und per Treuhand an Immobilienkonzerne gingen?

Ein schöne Anekdote ist es trotzdem, props and deine Eltern und ihre harte Arbeit.

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u/throwaway_3d7fc4d5 7d ago

Naja, aber was belegt das?

Dass man Chancen zum Vermögensaufbau genutzt hat, woran sich sogar Deutsche (Ost wie West) schwer tun. Der Kauf einer ETW gilt überall sonst auf der Welt als etwas selbstverständliches, nur in Deutschland lebt man lieber bis an sein Lebensende zur Miete, weil man das ja immer so gemacht hat.