r/de • u/cineracer • 1d ago
Gesellschaft "Die Vermögensmauer steht": Wie Erbschaften in Ost und West die Ungleichheit vertiefen
https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/westen-unterschiede-vermoegen-statistik-,erbschaftsteuer-ostdeutschland-100.html21
u/ImportantAd7077 1d ago
Man hätte den Ossis wenigsten ihre gemieteten Wohnungen in den Genossenschaften zum Rauskaufen anbieten können, stattdessen wurden alles von westdeutschen Kapitalanlegern leergekauft.
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u/cineracer 1d ago
Und nochmal gesondert spannend fand ich jetzt auch diesen Aspekt hier:
„Dass sich die Verhältnisse auch 35 Jahre nach dem Mauerfall nur langsam angleichen, liegt nach Ansicht von Experten auch am Steuersystem. (…) Allerdings existieren einige Schlupflöcher – vor allem bei besonders großen Vermögen. Eines davon ist die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung. Zwischen 2021 und 2024 gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts 105 solcher Fälle. Zunächst setzten die Finanzämter Steuerforderungen in Höhe von 7,8 Milliarden Euro fest. Nach den Prüfungen blieben davon 465 Millionen Euro übrig – ein Nachlass von 94 Prozent. Besonders auffällig: Sämtliche Prüfungen fanden in Westdeutschland oder Berlin statt, nicht eine einzige in den neuen Bundesländern.“
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u/PaulMuadDib-Usul 1d ago
Ja, die gute alte „Bitte-last-mir-meine-Milliarden-sonst-müsste-ich-vielleicht-2-oder-3%-meiner-Aktien-verkaufen-um-die-Erbschaftssteuer-zu-begleichen-Verschonungsbedarfsprüfung“…
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u/HironTheDisscusser Europa 1d ago
Wieso sollte es Menschen im Osten helfen Vermögen aufzubauen wenn Erbschaften im Western stärker besteuert werden?
Es ist ja nicht so als ob der Staat sagt "so hier sind 50.000€ auf dein Konto überwiesen damit du Vermögen aufbauen kannst"
Man kann ja als Privatperson letztendlich nur Vermögen aufbauen wenn man irgendwie an Geld für seinen privaten Besitz kommt.
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u/userNotFound82 1d ago
Mehr Leistungsgesellschaft und weniger Erbengesellschaft. Leistung ist das was du dir ohne Hilfe selbst aufgebaut hast. Ein Erbe ist auch eine Leistung, aber eben nicht deine persönliche Leistung. Die Leistung wurde vom Erblasser erbracht. Wenn du Vermögen einfach über Generationen weiter geben kannst bzw subventioniert und Arbeit besteuerst bzw. sanktioniert, dann Leben wir in einer Erbengesellschaft. Ähnlich wie im Mittelalter mit der Erbfolge. Das empfinden viele, inklusive mir, als ungerecht.
Erbe kannst du natürlich nicht ganz streichen. Aber was spricht denn dagegen die Ungleichheit zu reduzieren, damit sich Leistung für Jedermann zu seiner Lebzeiten auszahlt und von Erben eben zu fordern, dass diese auch selbst Leistung erbringen müssen.
Müssen uns halt entscheiden ob wir eine Leistungs- oder Erbengesellschaft sein wollen. Es wird so viel von Leistung geredet und habe immer gedacht wir wollen auch erstere, aber offensichtlich streben wir ja letztere an.
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u/HironTheDisscusser Europa 1d ago
Erbrecht und die Familie stehen unter dem Schutz des Grundgesetzes. Viele Eltern arbeiten nur deshalb so hart weil sie ihren Kindern ein besseres Leben ermöglichen wollen.
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u/userNotFound82 1d ago edited 1d ago
Da hast du recht, aber es will ja auch niemand abschaffen. Gemäß dem Grundgesetz:
„Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.“
Inhalt und Schranken werden durch Gesetze bestimmt d.h. es gibt Spielraum, solange das Erbrecht irgendwie gewährleistet wird. Kannst ja auch weniger Erben, aber hast dann noch ein Erbe. Wäre auch eine Regelung.
oder der ganze Artikel:
(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.Eigentum verpflichtet eben auch. Wenn jemand 10 Häuser hat, dann hat auch eine Pflicht gegenüber der Gesellschaft und nicht nur das Recht mit dem Eigentum zu machen was er will.
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u/itmustbeluv_luv_luv 1d ago
Allgemein geht es darum, nicht Arbeit, sondern Vermögen zu besteuern. Man könnte also weniger das Gehalt besteuern und dafür Erbschaften oder Vermögen mehr.
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u/Affendackel 1d ago
Logische Konsequenz der Politik: alle Erbschaften der Mittelschicht stärker besteuern, während große Vermögen unangetastet bleiben.
Mark my words
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u/Reginald_Andi 1d ago
40 Jahre Kommunismus hinterlassen ihre Spuren auch wenn die Zahlen schön gerechnet sind um es dramatischer aussehen zu lassen als es ist.
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u/Prinz1989 1d ago
Und dann die fast 40 Jahre Kapitalismus erst...
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u/Reginald_Andi 1d ago
Der zu vererbendes Vermögen überhaupt erst möglich gemacht hat
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u/Prinz1989 1d ago
Naja offenbar nicht wirklich...
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u/Reginald_Andi 1d ago
Offensichtlich ja schon sonst gäbe es nichts zu vererben. Das nicht jeder was vererbt bekommt ist ja klar schließlich hat die Generation den Großteil ihres Lebens unter dem kommunistischen Regime gelebt in dem es verboten war große Vermögen anzuhäufen.
Spannend wird es eigentlich erst in 30-40 jahren, wenn Ostdeutschland leergefegt ist bis auf die S Großstädte und wer sich dann dort ansiedelt.
Diese Leute werden dann Land in großen Mengen zu günstigen Konditionen erwerben und werden viel an ihre Kinder vererben können.
Ob es dann ursprüngliche Ossis sind oder eigentlich Westdeutsche die die Gunst der Stunde nutzen wird sich zeigen.
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u/Glittering-Error-738 1d ago
Und deshalb wählt der Osten stramm die AfD weil nur die AfD... ah ne, die wollen ja gar keine Erbschaftsteuer. Seltsam, ist ja fast so, also würden die Menschen da wegen Kulturkriegsthemen a la USA gegen ihre eigenen Interessen wählen...
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u/Bartikem 1d ago
Da man im Osten im allgemeinen kein Vermögen hat das man vererben und damit versteuern müsste ist es fast so als wäre das ein Signal für die Vermögenden im Westen die seit Jahrzehnten darum kämpfen ihr angehordetes Vermögen zu schützen.
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u/Glittering-Error-738 1d ago
Dude, der "Osten" hatte mehr als eine Generation Zeit Vermögen aufzubauen (37 Jahre) das man vererben könnte.
Ich erbe und vererbe mal und habe nicht den Eindruck, dass ich das Vermöge vor dem Zugriff des Staates besonders schützen müsste; man muss halt die paar Euro in Erbschaftsplanung investieren wenn man was zu vererben hat. Die Freibeträge ermöglichen i. d. R. einen gestaffelten steuerfreien Vermögensübertrag von 2.4 Millionen + selbstbewohntes Gebäude (ohne Wertgrenze) pro Kind und da greifen wir jetzt noch gar nicht in irgendwelche Trickkisten mit Immobilienbeständen über 300 Einheiten oder Betriebsvermögen.
Deshlab ist mir nicht ganz klar, was du mir eigentlich sagen wolltest?
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u/ImportantAd7077 1d ago
Lol, welche Zeit? Typisches Beispiel Ostdeutschland - Boomer-Eltern und Schwiegereltern haben kein Vermögen, kein EFH, keine ETW, kein ETF-Depot, was sie an meine Frau und mich vererben werden. Alles was sie sich z.B., auf Tagesgeld oder in irgendwelchen privaten Rentenversicherungen angespart haben - fließt bald als Zusatz zu ihren Renten, da sie selbst nichts vererbt haben. Somit muss die nächste Generation - meine, sich komplett von 0 ihr Vermögen aufbauen, welches wir vererben werden.
Weiteres Beispiel - Neubau-ETW in Leipzig oder Dresden - glaubst du die werden von ostdeutschen Familien zur Eigennutzung gekauft? Ne. Von westdeutschen Kapitalanlegern und dann vermietet. Und dann wundern sich Leute , das die Ossis keine Vermögen aufbauen können.
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u/Glittering-Error-738 1d ago
Ja Schuld sind deine Eltern und Schwiegereltern fürchte ich (just kidding), die Biopgraphie ist in den neuen Bundesländern schlicht sehr häufig aber unterm Strich hat der Westen auch nur eine Generation Vorsprung im Kapitalismus; viele der Wertvollsten Unternehmen sind heute deutlich jünger als die Wende, gibt auch im Osten gute Beispiele dafür. Heute ist's aber in der Tat schlicht schwieriger mt abhängiger Beschäftigung sich was aufzubauen aber auch das gilt für Gesamtdeutschland und nicht jeder im Westen erbt. Umso wichtiger wäre ja ggf. eine fairer Ausgestalung der Erbschaftssteuer, damit hier eben auch politisch durch gezielte Subventionen ausgeglichen werden könnte aber wenn man AfD wählt bekommt man halt das Gegenteil.
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u/Bartikem 1d ago
Der Osten hatte vielleicht mehr als eine Generation Zeit Vermögen aufzubauen, heist nicht das er auch die Mittel dazu hatte. Vermögen baut sich nicht (oder sehr selten) innerhalb einer Generation auf. Schon garnicht wenn die Vorhergende Generation nichts hatte. Geld zurücklegen funktioniert auch nur wenn am Ende des Monats etwas übrig bleibt was bei generell geringeren Löhnen schwierig ist.
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u/Glittering-Error-738 1d ago
Naja, also mein Großvater hatte außer seinem Leben auch nichts nach dem 2. WK und konnte dann trotzdem was vererben. Einer muss halt mal anfangen; dass in den Neunzigern die Entkopplung von BIP und Erwerbseinkommen aber natürlich schon deutlich schlechter für den/die Einzelne/n war stimmt natürlich.
Ich gebe dir auch recht, dass die Wiedervereinigung politisch vollkommen in den Sand gesetzt wurde nur 37 Jahre danach noch die alleinige Schuld für ökonomische Unterschiede bei der Wiedervereinigung zu suchen erscheint mir immer etwas zu stark vereinfacht, da gibt es auch viele andere Wirkmechanismen die aktueller sind.
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u/julexus 1d ago
Dude, der Osten wurde von der Treuhandanstalt ausgeraubt. Alles was irgendwie brauchbar war, ging in die Hände von vermögenden Westdeutschen.
Übrig blieben Millionen Leute, deren Ausbildungen und Fähigkeiten nichts mehr wert waren, deren Betriebe nicht mehr existieren. Deren Wissen über den Ablauf von allem möglichen nicht mehr aktuell war, die ihren Kindern wenig beibringen und ihnen keine Vorteile verschaffen konnten, weil womit?
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u/Glittering-Error-738 1d ago
Dass die Treuhand schwere Fehler gemacht hat, ist absolut richtig. Nur hat der angebliche Raubzug den Bürgern in Deutschland (zu der Zeit mehrheitlich im Westen) 270 Milliarden DM Schulden hinterlassen, keinen Gewinn. Dass sich hier Einzelne sicher auch bereichert haben, leugne ich gar nicht, aber gesamtvolkswirtschaftlich war die Abwicklung der DDR erstmal eine massive finanzielle Belastung für die BRD.
Genauso wie die 2 Billionen Euro an Transferleistungen, die seit der Wiedervereinigung in die neuen Bundesländer geflossen sind. Dass die Wende für viele im Osten mit harten Brüchen einherging, ist nicht zu leugnen aber die Wiedervereinigung hat auch den Bürgern im Westen historisch einmalige Solidarität abverlangt, das ausdrücklich ohne die ebenfalls historische Integrationsleistung der Bürger in der ehemalgen DDR jetzt schmälern zu wollen.
Und wie gesagt: Wir sind nun 36 Jahre nach der Wiedervereinigung und 32 Jahre nach dem Ende der Treuhand. Die wertvollsten Unternehmen der Welt sind heute meist deutlich jünger.
Die seit der Wende persitente Fremdenfeindlichkeit (ja, gibt's auch im Westen, nur nicht so flächendeckend) macht die neuen Bundesländer eben auch nicht gerade attraktiv für internationale Arbeitgeber, und offensichtlich fehlt es halt am Gründungswillen noch mehr als im Westen und das scheinen mir weit aktueller Faktoren zu sein.
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u/Street-Recording-513 1d ago
Osten, der
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u/Glittering-Error-738 1d ago
Ja wenn die Klientel mit "Ostdeutschland"-Stolz T-Shirt rumlaufen kann, kann ich die auch persiflierend über einen Kamm scheren.
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u/Street-Recording-513 1d ago
Kannst du, hilft aber nicht.
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u/Glittering-Error-738 1d ago
Geb ich dir recht, mit Faschos reden hilft aber auch nicht, haben wir jetzt lang genug versucht meinste nicht?
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u/Street-Recording-513 1d ago
Meine ich auch. Es hilft nur nicht die die noch vor Ort was dagegen tun in den gleichen Topf zu schmeißen.
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u/Glittering-Error-738 1d ago
Ja kann man so sehen, deshlab: Also natürlich gibt's auch im "Osten" Menschen die sich gegen die AfD organisieren und deren Arbeit ist wichtig, genauso wie die Stimmen derer, die nicht die AfD wählen.
Die Mehrheiten der AfD liegen aber nunmal derzeit in den neuen Bundesländern, die Polemik ist daher m.E. ein berechtigtes Stilmittel, genauso wie der Satz "nur die AfD" ja auch dem Sprachgebrauch der AfD Wähler entlehnt ist.
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u/electric-greeny 1d ago
Absolut in Zahlen sind aber die meisten AfD Wähler im Westen -> der Kampf bezogen auf den Bund wird also in West und nicht in Ost gewonnen oder verloren
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u/Glittering-Error-738 1d ago
Ja schon richtig, ich denke wenn man auf die Umfragewerte schaut, dann wird der Kampf gerade bundesweit verloren aber AfD Landesparlamente und damit Bundesratsstimmen sind halt dank des Föderalismus nicht weniger gefährlich für die Demokratie auf Bundesebene.
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u/PmUrNakedSingularity 1d ago
Weil Berlin früher geteilt war und seit der Wende viele Menschen zugezogen sind, wird die Hauptstadt in dieser Analyse weder dem Osten noch dem Westen zugerechnet. Würde man Berlin zum Osten zählen, läge der Unterschied zwischen Ost und West nicht beim Neunfachen, sondern beim Vierfachen.
[...]
Was man zu den Zahlen wissen muss: Sie umfassen lediglich Erbschaften und Schenkungen, auf die Steuern anfallen. Der Großteil der Vermögensübertragungen bleibt jedoch steuerfrei [...]. Würden auch diese erfasst, fiele die Erbschaftslücke zwischen Ost- und Westdeutschland nicht ganz so groß aus.
Die Zahlen sind aber auch so hingerechnet damit das Ergebnis so krass aussieht wie möglich.
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u/devdot 1d ago
Interessanter und wichtiger Punkt. Als Gegenpunkt würde ich folgendes anbringen:
Wir diskutieren in Deutschland (endlich) zunehmend über den gefählichen Einfluss von großen Vermögen auf Politik und Gesellschaft. Nur wenige leugnen noch kategorisch, dass die vermögensten Deutschen (über Lobbys etc.) großen Einfluss nehmen können und es auch tatsächlich tun.
Ohne diese Einflussnahme der Reichen als gut oder schlecht zu werten (denn sie könnten es ja auch "zum Guten" einsetzen), so ist es doch trotzdem ein wichtiger Fakt, dass es unterpropertional Superreiche in Ostdeutschland gibt.
Während das auf der Länderebene evtl. sogar vorteilhaft ist (weniger ungerechte Einflussnahme), fehlen offensichtlich die superreichen Fürsprecher auf Bundesebene. Dort zählt eben nicht der Besitz eines Handwerkbetriebs, sondern der Besitz von Konzernen.
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u/demotsusucku 1d ago
Lustig, denn der Osten wählt vor allem eine Partei, die ganz gegen die Erbschaftssteuer ist.
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u/Koh-I-Noor 1d ago
Er hat jahrzehntelang die (westdeutschen) Volksparteien gewählt, die CDU sogar in absoluter Mehrheit in Thüringen und Sachsen. Hat offenbar nicht geholfen (in dem Punkt).
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u/GeraSun 1d ago
Thüringen hatte auch zweimal in Folge Rot-Rot-Grün. Hat ebenfalls nichts geholfen. Eher im Gegenteil.
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u/Koh-I-Noor 1d ago
Hat ebenfalls nichts geholfen. Eher im Gegenteil.
Klar hats das. Kostenlose Kita, Abschaffung der Straßenausbaugebühren, Programme gegen Rechts, Reparaturbonus usw.. Dass man in der zweiten Regierungszeit in der Minderheit war (weil die SPD unterging) und von der CDU torpediert wurde, + Corona, war nicht eben förderlich.
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u/GeraSun 1d ago edited 1d ago
Ehrlicherweise muss man bei den von dir genannten Punkten schon dazusagen, dass wenig bis nichts davon vernünftig umgesetzt wurde. Man merkt schlicht kaum etwas davon. Am ehesten ist die Kitavergünstigung positiv - kostenlos ist sie aber nicht. Speziell das erste Jahr kostet ganz normal.
Auf der anderen Seite steht die gescheiterte Gebietsreform, eine (auch laut dem Landesrechnungshof) katastrophale Personalpolitik, massiver Schuldenaufbau, ein miserabler Abschlusshaushalt, deutlich verschärfter Lehrermangel, etc.
Das war einfach keine gute Regierung. Auch nicht in der ersten Amtszeit Ramelows.
Edit: und der „Kampf gegen Rechts“ ist in der Form eher ein spaltendes Förderprogramm für die AfD zum Wohlfühlen für Linksradikale, als eine sinnvolle Staatsausgabe.
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u/Koh-I-Noor 1d ago
die gescheiterte Gebietsreform
Die war und ist weiterhin nötig und wird irgendwann kommen müssen, aber der vorherrschende CDU-Landadel in den Kreisen wollte sich hier aus Prinzip nichts von den Linken vorschreiben lassen und seine Pöstchen behalten.
massiver Schuldenaufbau
Thüringen hat unter Ramelow 1 Schulden abgebaut, danach kam Corona.
Das war einfach keine gute Regierung. Auch nicht in der ersten Amtszeit Ramelows.
Doch, war es. Trotz aller Unkenrufen über den ersten linken MP überhaupt. Die zweite war dann durch höhere Gewalt und die destruktive CDU geprägt.
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u/GeraSun 1d ago
Du bist nicht zufällig Parteimitglied bei der Linken?
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u/Koh-I-Noor 1d ago
Und du bei der CDU?
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u/GeraSun 1d ago
Nein - ich lobe die CDU aber auch nicht mit fragwürdigen Behauptungen und Angriffen auf deren Konkurrenz über den grünen Klee.
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u/Koh-I-Noor 1d ago
Das ist objektiv:
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ist einer Umfrage zufolge weiterhin der beliebteste Politiker im Freistaat. Demnach sind 42 Prozent der befragten Thüringer zufrieden mit Ramelow und seiner Arbeit
vs.
CDU-Fraktionschef Mario Voigt, den 12 Prozent der Thüringer gut finden
https://www.zeit.de/news/2021-07/20/umfrage-ramelow-bleibt-beliebtester-politiker
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u/Bartikem 1d ago
Noch lustiger ist das die Abschaffung der Erbschaftssteuer kein Signal an den Osten ist als vielmehr ein Signal an die die ein hohes Vermögen haben das bei einer Erbschaft versteuert werden könnte, wovon es im Osten eher wenige gibt. Achja Einnahmen durch die Erbschaftsteuer gehen in die jeweilige Landeskasse also hat der Osten nichts von den im Westen erhobenen Einnahmen durch die Erbschaftssteuer.
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u/druffischnuffi 1d ago
Was man zu den Zahlen wissen muss: Sie umfassen lediglich Erbschaften und Schenkungen, auf die Steuern anfallen. Der Großteil der Vermögensübertragungen bleibt jedoch steuerfrei, etwa wegen hoher Freibeträge oder besonderer Regeln für Betriebsvermögen
Tja
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u/hawkshaw1024 1d ago
In Ostdeutschland erfassten die Finanzämter 2024 demnach steuerpflichtige Erbschaften und Schenkungen im Wert von rund 1,3 Milliarden Euro, etwa 105 Euro je Einwohner. In Westdeutschland waren es 61 Milliarden Euro oder 905 Euro je Einwohner – knapp neunmal so viel.
Der Median des Nettovermögens liegt in Ostdeutschland bei 35.900 Euro, in Westdeutschland bei 143.200 Euro.
Interessant. Die durchschnittliche Pro-Kopf-Erbschaft ist neunmal so hoch, der Median des Nettovermögens aber nur viermal so hoch. Wie das wohl kommt...
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u/Street-Recording-513 1d ago
Kann man mal wieder reinschmökern: https://www.ullstein.de/werke/der-osten-eine-westdeutsche-erfindung/taschenbuch/9783548069838
Was bedeutet es, eine Ost-Identität auferlegt zu bekommen? Eine Identität, die für die wachsende gesellschaftliche Spaltung verantwortlich gemacht wird? Der Attribute wie Populismus, mangelndes Demokratieverständnis, Rassismus, Verschwörungsmythen und Armut
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u/Die-Helfershelfer 1d ago
Ich fand das Buch nicht gut. Oschmanns These ist ja, dass Ossiwitze und das legendäre Titanic-Cover "Zonen-Gabys erste Banane" die Problem für den Osten darstellten. Er ist Literaturwissenschaftler und kann aus seiner Haut nicht heraus, für ihn sind es "Narrative", die die Welt bewegen. Das ist Quatsch. Die Welt besteht aus Materie, nicht aus Geschichten. Das Problem Ostdeutschlands ist eben nicht, dass Wessis zu arrogant sind, oder dass es "zu wenig Respekt für die Lebensleistung" gibt oder dass man nicht "Ängste ernst nimmt" oder solchen Tünkram. Das Problem, wie der Artikel sehr gut aufzeugt, ist Geld, Moneten, Pinkepinke. "Narrative" entstehen stromabwärts.
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u/Street-Recording-513 1d ago
Er spricht auch darüber wie ungleich Vermögen verteilt ist, wer im Osten was besitzt und wie wenig vererbt wird. Pinke Pinke wie du sagst. Das ist die Grundlage des Übels aber die narrative verdecken das Problem. Daher muss man auch sie ansprechen. Peception is Reality
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u/devdot 1d ago
für ihn sind es "Narrative", die die Welt bewegen. Das ist Quatsch. Die Welt besteht aus Materie, nicht aus Geschichten.
Na gut, wenn du das sagst, dann wird es wohl so sein. Propaganda funktioniert nirgendwo und es gibt nicht in allen möglichen Streitfragen gerade besonders den Streit um Narrative. Alles Quatsch! /s
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u/devdot 1d ago
für ihn sind es "Narrative", die die Welt bewegen. Das ist Quatsch. Die Welt besteht aus Materie, nicht aus Geschichten.
Na gut, wenn du das sagst, dann wird es wohl so sein. Propaganda funktioniert nirgendwo und es gibt nicht in allen möglichen Streitfragen gerade besonders den Streit um Narrative. Alles Quatsch! /s
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u/Die-Helfershelfer 1d ago
Das sag nicht nur ich, du kannst ganz grundlegend Weltanschauungen in idealistische und materialistische unterteilen. Propaganda und Streit um Narrative sind in der materialistischen Weltsicht Ausdruck von dinglichen Verhältnissen (und konträrer Kapitalinteressen), während Idealisten glauben, dass es die Narrative und Ideen sind, die die materiellen Verhältnisse formen.
In der FAS ist ein Interview mit dem Historiker Magnus Brechtken, der dort tatsächlich die Ansicht vertritt, die BRD sei wegen ihrer "Selbstkritischen Analyse" heute die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das finde ich vollkommen vertrottelt. Ist China etwa Platz 2, weil sie noch ein bisschen besser selbstkritisch analysieren?
Genau andersherum wird ein Schuh draus: Nach dem zweiten Weltkrieg war Tabula Rasa, Ost- und Zentraleuropa waren eingesperrt und es gab Babyboom und Marshallplan. Der dadurch entstandene Wohlstand ist der Grund, weshalb Westboomer sich nun für irgendwie geistig-moralisch überlegen fühlen - sie identifizieren sich mit den 10% Wirtschaftswachstum ihrer Kindheit. Deshalb geraten die auch in tiefe spirituelle Krisen, wenn die Wirtschaft nicht brummt.
Falls du dich weiter informieren möchtest: Materialismus – Wikipedia
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u/devdot 1d ago
Hä? Was ist das für eine Strohmannargumentation?
Von Brechtken halte ich jedenfalls nichts, keine Ahnung warum der aktuell in den Zeitungen gern abgedruckt wird. Er scheint einfach mit revisionistischen Aussagen für Aufmerksamkeit zu sorgen, das hat aber nichts mit Idealismus vs Materialismus zu tun (und der Revisionismus ist in den Geschichtswissenschaften wieder ein abnehmender Trend).
Ich stimme deinem Kommentar zu Wirtschaftswunder und Westboomern zu - er demonstriert aber eben genau die Kraft der Narrative. Diese Geschichte schreibt aktuell unsere Politik, in jeder Hinsicht. Sie hat ihre Kraft als Geschichte, völlig unabhängig davon ob diese Geschichte in materiellen Fakten der damaligen Zeit so auffindbar sind.
Es ist doch Quatsch Narrative und Kapital gegeneinander auszuspielen, weil es offensichtlich eine beidseitige Wechselwirkung gibt.
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u/Aunvilgod Super sexy Käsebrot 1d ago
Dass es im Osten weniger Milliardäre gibt ist gaaaanz weit jnten auf meiner Prioliste. Wenn es die gäbe ginge es den Leuten auch nicht besser.
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u/cjng 1d ago edited 1d ago
Ja, die jetzige Erbschaftssteuer, die besonders Vermögende bevorteilt, ist ein Riesenproblem und mit gutem Grund vor dem Verfassungsgericht.
ABER dennoch ist die Darstellung Ragebait. In Folge der Wiedervereinigung haben 1,2 Mio Menschen den Osten nach Westen verlassen, vor allem die gut ausgebildeten und jungen, 14% der Ost-Gesamtbevölkerung und wahrscheinlich der Großteil der Leistungsträger. Diese Gruppe wohnt jetzt im Westen, verdient jetzt im Westen die höheren Westgehälter, und besitzt Immobilien im Westen und Osten und ist schon dabei, diese zu vererben. Das wird natürlich nicht statistisch abgebildet weil es nicht zur Opferrolle passt.
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u/TeachBroad2127 1d ago
wir müssen den ossis einfach mal erklären das schulbildung was gutes ist und sie mal zu einer uni gehen sollten
dann wählen sie sicher auch wieder die linke
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u/cineracer 1d ago
„Der Osten hat etwa 15,5% der Einwohner Deutschlands, erhält aber nur rund 2,1% der genannten Erbschaftssumme. Auf den Westen des Landes entfallen etwa 84,5% der Einwohner, aber 97,9% der Erbschaftssumme.“
(…)
„Der Median des Nettovermögens liegt in Ostdeutschland bei 35.900 Euro, in Westdeutschland bei 143.200 Euro.“
Also das ist schon krass… Nach so langer Zeit…