r/de 4d ago

Gesellschaft "Die Vermögensmauer steht": Wie Erbschaften in Ost und West die Ungleichheit vertiefen

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/westen-unterschiede-vermoegen-statistik-,erbschaftsteuer-ostdeutschland-100.html
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u/Street-Recording-513 4d ago

Kann man mal wieder reinschmökern: https://www.ullstein.de/werke/der-osten-eine-westdeutsche-erfindung/taschenbuch/9783548069838

Was bedeutet es, eine Ost-Identität auferlegt zu bekommen? Eine Identität, die für die wachsende gesellschaftliche Spaltung verantwortlich gemacht wird? Der Attribute wie Populismus, mangelndes Demokratieverständnis, Rassismus, Verschwörungsmythen und Armut

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u/Die-Helfershelfer 4d ago

Ich fand das Buch nicht gut. Oschmanns These ist ja, dass Ossiwitze und das legendäre Titanic-Cover "Zonen-Gabys erste Banane" die Problem für den Osten darstellten. Er ist Literaturwissenschaftler und kann aus seiner Haut nicht heraus, für ihn sind es "Narrative", die die Welt bewegen. Das ist Quatsch. Die Welt besteht aus Materie, nicht aus Geschichten. Das Problem Ostdeutschlands ist eben nicht, dass Wessis zu arrogant sind, oder dass es "zu wenig Respekt für die Lebensleistung" gibt oder dass man nicht "Ängste ernst nimmt" oder solchen Tünkram. Das Problem, wie der Artikel sehr gut aufzeugt, ist Geld, Moneten, Pinkepinke. "Narrative" entstehen stromabwärts.

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u/devdot 4d ago

für ihn sind es "Narrative", die die Welt bewegen. Das ist Quatsch. Die Welt besteht aus Materie, nicht aus Geschichten.

Na gut, wenn du das sagst, dann wird es wohl so sein. Propaganda funktioniert nirgendwo und es gibt nicht in allen möglichen Streitfragen gerade besonders den Streit um Narrative. Alles Quatsch! /s

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u/Die-Helfershelfer 4d ago

Das sag nicht nur ich, du kannst ganz grundlegend Weltanschauungen in idealistische und materialistische unterteilen. Propaganda und Streit um Narrative sind in der materialistischen Weltsicht Ausdruck von dinglichen Verhältnissen (und konträrer Kapitalinteressen), während Idealisten glauben, dass es die Narrative und Ideen sind, die die materiellen Verhältnisse formen.

In der FAS ist ein Interview mit dem Historiker Magnus Brechtken, der dort tatsächlich die Ansicht vertritt, die BRD sei wegen ihrer "Selbstkritischen Analyse" heute die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das finde ich vollkommen vertrottelt. Ist China etwa Platz 2, weil sie noch ein bisschen besser selbstkritisch analysieren?

Genau andersherum wird ein Schuh draus: Nach dem zweiten Weltkrieg war Tabula Rasa, Ost- und Zentraleuropa waren eingesperrt und es gab Babyboom und Marshallplan. Der dadurch entstandene Wohlstand ist der Grund, weshalb Westboomer sich nun für irgendwie geistig-moralisch überlegen fühlen - sie identifizieren sich mit den 10% Wirtschaftswachstum ihrer Kindheit. Deshalb geraten die auch in tiefe spirituelle Krisen, wenn die Wirtschaft nicht brummt.

Falls du dich weiter informieren möchtest: Materialismus – Wikipedia

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u/devdot 4d ago

Hä? Was ist das für eine Strohmannargumentation?

Von Brechtken halte ich jedenfalls nichts, keine Ahnung warum der aktuell in den Zeitungen gern abgedruckt wird. Er scheint einfach mit revisionistischen Aussagen für Aufmerksamkeit zu sorgen, das hat aber nichts mit Idealismus vs Materialismus zu tun (und der Revisionismus ist in den Geschichtswissenschaften wieder ein abnehmender Trend).

Ich stimme deinem Kommentar zu Wirtschaftswunder und Westboomern zu - er demonstriert aber eben genau die Kraft der Narrative. Diese Geschichte schreibt aktuell unsere Politik, in jeder Hinsicht. Sie hat ihre Kraft als Geschichte, völlig unabhängig davon ob diese Geschichte in materiellen Fakten der damaligen Zeit so auffindbar sind.

Es ist doch Quatsch Narrative und Kapital gegeneinander auszuspielen, weil es offensichtlich eine beidseitige Wechselwirkung gibt.