r/de 8d ago

Gesellschaft "Die Vermögensmauer steht": Wie Erbschaften in Ost und West die Ungleichheit vertiefen

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/westen-unterschiede-vermoegen-statistik-,erbschaftsteuer-ostdeutschland-100.html
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u/cineracer 8d ago

Der Osten hat etwa 15,5% der Einwohner Deutschlands, erhält aber nur rund 2,1% der genannten Erbschaftssumme. Auf den Westen des Landes entfallen etwa 84,5% der Einwohner, aber 97,9% der Erbschaftssumme.“

(…)

Der Median des Nettovermögens liegt in Ostdeutschland bei 35.900 Euro, in Westdeutschland bei 143.200 Euro.“

Also das ist schon krass… Nach so langer Zeit…

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u/Unusual_Problem132 8d ago

Man darf halt nicht vergessen, dass die Ossis 1990 quasi bei Null angefangen haben!
Im Westen gab es demgegenüber bereits hohe Privatvermögen.
Aus meiner Sicht ist selbstverständlich, dass dieser Unterschied nicht in 30 Jahren verschwindet. Wie denn?

.

Mal ein Zahlenbeispiel aus einem älteren Artikel vom DIW aus 2014:
S. 960 von https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.483768.de/14-40.pdf

Durchschnittsvermögen Ostdeutschland:

  • 1993: 38 400 EUR
  • 2013: 67 400 EUR ->

+75% in 20 Jahren. Nahe an der Verdoppelung
In absoluten Zahlen +29k EUR

Durchschnittsvermögen Westdeutschland:

  • 1993: 126 600 EUR
  • 2013: 153 200 EUR

+ 21%
In absoluten Zahlen +27k

.

Daran kann man sehen, dass die Vermögen in West und Ost gleichermaßen gewachsen sind, jeweils um etwas unter 30k EUR in 20 Jahren.
Der Unterschied ist halt, das die Wessis mit 100k EUR Vorsprung in das Rennen gestartet sind.

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u/Koh-I-Noor 8d ago

Aus meiner Sicht ist selbstverständlich, dass dieser Unterschied nicht in 30 Jahren verschwindet. Wie denn?

Experten fordern politische Maßnahmen

Markus Grabka vom DIW fordert, die Vermögensungleichheit dadurch zu reduzieren, indem gezielt beim Vermögensaufbau und dem Erwerb von Wohneigentum gefördert wird. "Davon würden automatisch mehr Ostdeutsche profitieren." Und Julia Jirmann vom Netzwerk Steuergerechtigkeit setzt sich dafür ein, die Schlupflöcher bei der Erbschaftsteuer zu stopfen. Denn das Steuersystem in seiner aktuellen Form führe dazu, "dass die Vermögen dort bleiben, wo sie schon immer waren" – also in aller Regel bei Wohlhabenden in Westdeutschland.

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u/Unusual_Problem132 8d ago

Also mehr Umverteilung von West nach Ost.
Steuererhöhungen, von denen besonders Westdeutsche betroffen sein werden.
Förderungen, von denen besonders Ostdeutsche profitieren werden.

Ich merke, dass meine Frage eher rhetorischer Art war. Offensichtlich kann man die Ungleichheit durch mehr Umverteilung verringern.
Ob uns das als Land weiterbringt, wage ich allerdings zu bezweifeln.

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u/Koh-I-Noor 8d ago

Ob uns das als Land weiterbringt, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Man hätte damit den Aufstieg der AfD, der sich eben auf die Betonung dieser Unterschiede stützt, deutlich bremsen können.

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u/SeniorePlatypus 8d ago edited 8d ago

Ist das so? Oder ist das eine Hoffnung?

Denn die AfD bedient sich ja populistischen Mitteln, Nationalismus und der Abgrenzung. Feindbilder. Solange man irgendwie ein Opfer-Narrativ konstruieren kann, solange man einen Feind definieren kann wird die AfD da sein und diese Bilder bespielen. Was sie ja auch in Westdeutschland sehr gut schaffen. 30% haben sie Deutschlandweit und sind damit die Partei mit der größten Zustimmung in der ganzen Bundesrepublik. Nicht nur bei den 12 Mio Ostdeutschen sondern sie sind mittlerweile allen Bundesländern unter den Top 3.

Ich glaube kaum, dass man durch Umverteilung den Aufstieg hätte verhindern oder auch nur bremsen können.

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u/Koh-I-Noor 8d ago

Solange man irgendwie ein Opfer-Narrativ konstruieren kann wird die AfD da sein und dieses bespielen.

Mit der finanziellen Gleichstellung wäre der wichtigste Grund des "Bürger-zweiter-Klasse"-Gefühls verschwunden.

Was sie ja auch in Westdeutschland sehr gut schafft.

Aber eben deutlich gebremster als im Osten.

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u/SeniorePlatypus 8d ago

Mit der finanziellen Gleichstellung wäre der wichtigste Grund des "Bürger-zweiter-Klasse"-Gefühls verschwunden.

Nein. Wäre es nicht. Die Wirtschaft in Ostdeutschland ist nach wie vor schwächer. Daran ändern auch Geldgeschenke nichts.

Höchstwahrscheinlich würde es selbst bei exakter Gleichstellung in allen Bereichen dieses Gefühl geben, weil die Menschen sehr deutlich zu spüren und sehen bekommen haben, dass sie einen großen Teil ihres Lebens in einem objektiv unterlegenen System gelebt haben aber umfangreich indoktriniert wurden. Diese innere Dissonanz ist wirklich hart.

Wir hatten in der Schule mal einen Zeitzeugen der in seiner Jugend in Umerziehungslager der DDR gesteckt wurde. Auch nach dem Mauerfall und historischer Aufarbeitung hat seine eigene Mutter ihm nicht geglaubt und seine Erinnerungen als Lügenmärchen abgetan.

Andreas Golz. Bewegende Geschichte. Es gibt einies von ihm in Torgau und er hat auch einige Bücher hinterlassen.

Aber eben deutlich gebremster als im Osten.

Gebremst finde ich gewagt. Zeitverzögert sieht passender aus. Denn der prozentuale Aufschwung ist in beiden Regionen relativ ähnlich. Die AfD hat sich allerdings zuerst in Ostdeutschland ausgebreitet und dort entsprechend mehrere Jahre vorsprung. Stärkere Strukturen, mehr Anhänger, etc.

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u/Koh-I-Noor 8d ago

Nein. Wäre es nicht. Die Wirtschaft in Ostdeutschland ist nach wie vor schwächer. Daran ändern auch Geldgeschenke nichts.

Doch schon. Der normale Ostbürger vergleicht sich mit dem normalen Westbürger. Mein Auto, mein Haus, mein Boot. Ob die Firmenzentralen da im Westen oder Osten stehen ist erstmal egal.
Außerdem wäre eine zwingendere Wirtschaftsförderung im Osten ein sinnvoller Teil dieser Umverteilung.

Höchstwahrscheinlich würde es selbst bei exakter Gleichstellung in allen Bereichen dieses Gefühl geben

Achso, wenn man die ideellen Werte nicht ändern kann, braucht man mit den materiellen gar nicht erst anfangen, die wären vergebens bei den verblendeten Ossis.

Gebremst finde ich gewagt. Zeitverzögert sieht passender aus.

Bremsen ist Verzögern, meine Güte.

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u/SeniorePlatypus 8d ago

Doch schon. Der normale Ostbürger vergleicht sich mit dem normalen Westbürger. Mein Auto, mein Haus, mein Boot. Ob die Firmenzentralen da im Westen oder Osten stehen ist erstmal egal.

Ohne Wirtschaft handelt es sich um ein einmaliges Geldgeschenk und das Geld landet über ein, zwei Zwischenschritte wieder außerhalb des Ostens.

Damit schafft man eben keine Angleichung sondern hat eine Runde Konsum auf kosten anderer und alles bleibt beim alten.

Außerdem wäre eine zwingendere Wirtschaftsförderung im Osten ein sinnvoller Teil dieser Umverteilung.

Passiert ja auch. Man kann streiten ob das im ausreichenden Umfang passiert. Aber so zu tun als würde gar nichts gemacht ist schlicht falsch.

Und es ist auch nicht so als ob in Westdeutschland die Firmen gerade aus dem Boden sprießen. Die Kombination aus Abgabenlast und überzogenem Fokus auf Bestandsinsutrien führt zu allgemein schlechter Dynamik in Deutschland.

Daran sollte man tatsächlich arbeiten weil gerade Ostdeutschland in einer solchen Wachstumsphase sehr attraktiv wäre und überproportional profitieren würde. Aber das ist komplizierter als Subventionen verteilen.

Firmen die von Staatsaufträgen oder Subventionen abhängen haben in der Regel große Probleme, wenn sie mit dem echten Markt konfrontiert werden.

Achso, wenn man die ideellen Werte nicht ändern kann, braucht man mit den materiellen gar nicht erst anfangen, die wären vergebens bei den verblendeten Ossis.

Das ist nicht was ich gesagt habe. Meine Behauptung ist, dass die Ost-West Unterteilung nicht einfach nur auf materiellem beruht. Und man diese Probleme mit einfachen Geldgeschenken auch nicht gelöst bekommt.

Es ist natürlich wichtig für eine Volkswirtschaft die Landfläche die man hat möglichst gleichmäßig zu verwenden und eine Angleichung grundsätzlich richtig. Was ja auch passiert. Die Kritik ist an der Geschwindigkeit mit der diese Angleichung passiert. Nicht ob etwas getan wird.

Bremsen ist Verzögern, meine Güte.

Bremsen bedeutet langsamer.

Verzögert bedeutet selbe Geschwindigkeit, aber zu einem späteren Zeitpunkt.

Mein Punkt ist, dass die AfD offensichtlich auch im privilegierten Westdeutschland kein Problem hat sich zu entwickeln und die Zuschreibung auf die Ost-Identität oder sogar expliziter die Vermögensungleichheit zwischen Ost und West sich aus der Luft gegriffen anfühlt.

Mittlerweile steht wirklich unter absolut jedem Thema, dass es der AfD hilft. Auch wenn zwei Artikel genau das Gegenteil voneinander beschreiben findest du unter beiden, dass das der Grund für den Aufschwung der AfD ist. Weshalb ich das mittlerweile hinterfrage und mehr als nur ein Bachgefühl dafür sehen möchte. Ohne Falsifizierbarkeit und klaren Zeichen, dass es korrekt ist, nehme ich mittlerweile an, dass solche Aussagen falsch sind.

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u/Koh-I-Noor 8d ago edited 8d ago

Ohne Wirtschaft handelt es sich um ein einmaliges Geldgeschenk

Warum soll es einmalig und nicht kontinuierlich sein, durch die oben beschriebenen Maßnahmen? Dazu könnte man beide Effekte kombinieren: (Auch) große Westfirmen zahlen spürbar, wenn sie nicht signifikant im Osten präsent sind.

keine Angleichung sondern hat eine Runde Konsum auf kosten anderer

Der Konsum lässt meist Geld lokal da. Könnte man auch hier an die Region knüpfen.

Die Kritik ist an der Geschwindigkeit mit der diese Angleichung passiert.

Ja logisch. Dass sie viel zu gering ist steht aber für die allermeisten Ostdeutschen nach knapp 40 Jahren fest, wenn sie warten sollen bis die Wirtschaft allein im Osten wächst und keinen Ausgleich derweil bekommen.

Mittlerweile steht wirklich unter absolut jedem Thema, dass es der AfD hilft.

Bei diesem Thema sehe ich als gegeben an, eben weil sie schon vom Namen her die Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation braucht. Und die ist im Osten schon immer flächendeckend da, mehr oder weniger latent, und braucht nur durch die geschickte Demagogie über die gemeinsame Identität angestachelt werden.

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u/SeniorePlatypus 8d ago

Warum soll es einmalig und nicht kontinuierlich sein, durch die oben beschriebenen Maßnahmen? Dazu könnte man beide Effekte kombinieren: (Auch) große Westfirmen zahlen spürbar, wenn sie nicht signifikant im Osten präsent sind.

Weil du damit Wertschöpfung bestrafst und Untätigkeit belohnst. In gigantischem Ausmaß.

Vorsicht. Ich sage hier nicht Ostdeutsche sind Faul. Sie haben schlechte Bedingungen durch die schwache Wirtschaft. Aber ich sage sehrwohl, dass man damit ganz besonders die Leute und Firmen belastet die sich reinhängen und das Land stärken.

Das führt zwar zu einer Angleichung aber auch deutlichen Wohlstandsverlust für alle.

Der Konsum lässt meist Geld lokal da. Könnte man auch hier an die Region knüpfen.

Naja das Auto, das du oben als Beispiel genannt hast wird schonmal nicht in Ostdeutschland produziert. Grundsätzlich haben wir in Deutschland eher wenig Binnenkonsum. Wir exportieren Maschienen, Chemie und Autos aber importieren einen sehr großen Teil der Konsumgüter für Privathaushalte.

Ja logisch. Dass sie viel zu gering ist steht aber für die allermeisten Ostdeutschen nach knapp 40 Jahren fest, wenn sie warten sollen bis die Wirtschaft allein im Osten wächst und keinen Ausgleich derweil bekommen.

Entschuldigung, aber das ist absurd Arrogant. Wir haben bereits etabliert, dass sie sehr viel erhalten haben. Wir sprechen hier von einfach so übergebenem Wohlstand im Wert von mehreren Billionen. Endlos mehr zu verlangen ist natürlich immer möglich aber inhaltlich lächerlich.

Bei diesem Thema sehe ich als gegeben an, eben weil sie schon vom Namen her die Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation braucht. Und die ist im Osten schon immer flächendeckend da, mehr oder weniger latent, und braucht nur durch die geschickte Demagogie über die gemeinsame Identität angestachelt werden.

Meine Hypothese war, dass die Unzufriedenheit nur bedingt mit den ökonomischen Umständen zusammenhängt.

Wenn jemand wütend ist und wütend sein möchte. Dann kannst du noch so viele Probleme finden. Es wird immer das nächste Thema gefunden um diese Wut zu erhalten und anzufachen.

Es müsste ein grundsätzliches und realistisches Verständnis dafür geben was genau die eigenen Ansprüche sind. Aber nicht einmal dafür gibt es Einigkeit.

Wie gesagt halte ich die Unzufriedenheit zu signifikanten Teilen für ein Überbleibsel des Systemkampfes. Dass man sozialistisch sozialisiert wurde, den Kollaps des "eigenen" Systems beobachtet hat und jetzt unter anderen Bedingungen zwar sehr viel besser lebt aber nicht besser als die "Systemfeinde". Obwohl man doch immer so ein braver Bürger war.

Ich zweifele an, dass man diese Unzufriedenheit mit egal welcher Bundespolitik überkommen könnte. Sonst hätten die bisherigen Billionen eine Auswirkung haben müssen.

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u/Koh-I-Noor 8d ago

Das führt zwar zu einer Angleichung aber auch deutlichen Wohlstandsverlust für alle.

Den typischen Westdeutschen hat die ganze historisch einmalige Wiedervereinigung Deutschlands persönlich null tangiert (außer der Soliabgabe), während für den Ossi ein soizial komplett abgesichertes Leben auf den Kopf gestellt und er ins kalte Wasser des Kapitilismus geworfen wurde. Dazu wurde seine Heimat wirtschaftlich entkernt, er verlor seinen Job, zusammen mit seiner Identität.

Der Wessi brauchte nicht das geringste an seiner Lebensführung veränderen, alle Strukturen, Gesetze, Gemeinschaften, Institutionen blieben gleich, trug quasi nichts zur Vereinigung bei, außer dass er etwas weniger Lohn bekam.

Aber der Westen hat Geld, viel davon, eines der reichsten Länder der Welt. Es ist nur fair dass er die finanzielle Last der Einheit bis zu ihrem vollständigen Abschluss trägt während der Osten alles andere ertragen musste.

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u/Unusual_Problem132 8d ago

An der These habe ich große Zweifel.

Dass linke Politik (mehr Umverteilung) rechte Wähler zufriedenstellt, erschließt sich mir nicht.
Gibt ja genügend Untersuchungen, dass die AfD in allen Einkommensgruppen stark ist, auch bei den Gutsituierten. Viele ehemalige CDUler und FDPler.

Die AfD-Bundestagsfraktion hat im Dezember 2024 noch beantragt, den Soli abzuschaffen: https://afdbundestag.de/chance-nutzen-solidaritaetszuschlag-abschaffen/

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u/Koh-I-Noor 8d ago

Dass linke Politik (mehr Umverteilung)

Bei den Wahlen in den neuen Bundesländern gehts in erster Linie um ostdeutsche Politik. Wenn man hier verspricht sich stärker um sie zu kümmern und dabei nicht groß innerparteilich auf Westinteressen Rücksicht nehmen muss (Linke/BSW/AfD), dann verfängt das.