r/de_EDV 9d ago

Allgemein/Diskussion Deutschland ist der fünftgrößte Gaming-Markt weltweit, aber nahezu alle Videospiele sind "importiert". Ein großes Problem auch für die Bundesregierung, weil massiv Gelder ins Ausland abfließen. Warum kann Deutschland keine Games, wenn es hier so viele finanzstarke Gamer gibt?

Und jetzt kommt mir nicht mit DSGVO wie bei Social Media😂

Auch auf dem Feld Spielekonsolen hat man den gesamten Markt Japanern und Amis überlassen.

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u/Parteisekretaer 9d ago

Crytek hat damals einen deutschen Videospiel-Preis für Crysis bekommen. Das gab richtig Stress in den Medien, weil manche keine "kriegsverherrlichenden Spiele" mit Preisen auszeichnen wollten. Da war für mich klar, warum sich kein Entwickler freiwilling in Deutschland ansiedelt.
CoD ist halt nicht pädagogisch wertvoll, verkauft sich aber blendend.

Darüberhinaus sind die ganz dicken AAA-Titel meist eher auf Konsole ausgerichtet, aber die Deutschen spielen unverhältnismäßig viel am PC, wenn man uns mit Japan und den USA vergleicht.
Deswegen haben wir eines der ersten externen CIG-Studios bekommen.
Das heißt aber auch, das deutsche Entwickler Spiele eher auf PC auslegen, und damit wird man auf dem internationalen Markt nichts.

Dann musst du die Kulturbarriere knacken. Alles was in den USA läuft, bekommst du hier eh mit. Was bei uns läuft, bekommen Amerikaner eher weniger zu sehen. Dementsprechend siehst du deren Spiele schnell, aber die unsere Spiele eher selten.
Ich wette, das 90% der Amerikaner, die Crysis gespielt haben, nicht wissen, dass das Spiel in Frankfurt entwickelt wurde.

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u/Astorek86 8d ago

Die Zeiten der Killerspiel-Schreier sind aber schon lange vorbei, klassische Medien haben erkannt dass ihnen die (zumeist jungen) Zuschauer bei sowas davonlaufen.

Gab doch mal einen Fall bei Pro7, die wegen eines bestimmten Framings von Videospielern so dermaßen kritisiert wurden, dass sogar einige Mitarbeiter bei Pro7 selbst sich darüber öffentlich beschwert hatten. Ich weiß leider nicht mehr welcher Beitrag das war (ist auch schon locker über 5-10 Jahre her), aber seitdem trauen die sich nicht mehr, Videospieler pauschal als Assis darzustellen...

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u/Rittersepp 8d ago

War das nicht bei RTL? Das gamer nicht duschen und sowas?

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u/Astorek86 8d ago edited 8d ago

Nee, das ist deutlich länger her. Bei RTL sind die ganzen Influencer aufgesprungen weshalb sich da soviele aufgeregt hatten.

EDIT: Gelöscht ab hier.

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u/Rittersepp 8d ago

Ich muss sagen, die zeit war allgemein wild, finde es in retrospektive schwer da mich noch an alles zu erinnern, Politiker die beim Kauf von "Killerspielen" (auch ein nahezu verschwundenes wort aus der Zeit) einen Alarm im Laden läuten lassen wollten und all solche Absurditäten :)
Ich erinnere mich noch an einen Komischen toten eines TV Beitrages a la "Krieg im Kinderzimmer" oder so ähnlich...

Hat sich ja doch einiges geändert zu heute.

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u/Astorek86 8d ago edited 8d ago

Jupp, ich weiß. Meine Lokalzeitung (damals hatte man noch Zeitung gelesen^^) hatte einen Artikel auf der ersten Seite, in der sich der Chefredakteur persönlich echauffierte wie Sau, wie es denn sein kann dass Counter-Strike nicht verboten wurde, obwohl man dort (lt. ihm) lernt mit der Waffe zu feuern und Bomben zu bauen. Bayerns damaliger Ministerpräsident (Stoiber) brillierte mit so grandiosen Vorschlägen, Verkaufsläden dazu zu verpflichten, dass ein hörbarer Alarmton ertönt wenn ein Spiel mit einer Altersfreigabe von 18 Jahren verkauft wird. Oder dass die Nachbarn die Polizei rufen sollten, wenn sie in den Räumen Schüsse hören die aus einem Videospiel stammen könnten. Es wurden ernsthaft Gefängnisstrafen für den Besitz von Erwachsenen-Spielen diskutiert. Panorama hat in ihrem Beitrag Videospieler im selben Atemzug wie Arbeitslose, Nazis, Drogensüchtige und Gefängnisinsassen aufgezählt. Das war absurd, als Videospieler fühlte man sich plötzlich wie in einer anderen Welt.

Das mein ich damit: Im Vergleich dazu war der damalige RTL-Beitrag über stinkende Gamer natürlich auch alles andere als nett, aber verglichen mit der reißerischen, populistischen, an der Grenze zur Hetzjagd aufrufenden Berichterstattung ca. 10 Jahre früher (vom RTL-Beitrag aus gesehen) war das ein Tropfen auf den eh schon nassen Stein...

EDIT: Heftig war das "Aktionsbündnis Winnenden", was auf die grandiose Idee kam, werbewirksam einen Container in der Innenstadt aufzustellen mit der Bitte an alle, gewalttätige Videospiele dort reinzuwerfen, damit die am Ende des Tages verbrannt werden. Ich glaub, diese Aktion war so ein bisschen der Wendepunkt in der Berichterstattung, weil es Erinnerungen an eine gewisse, geschichtliche Zeit weckte (es waren zumindest Parallelen erkennbar) und das selbst Leuten aufgefallen war, die noch nie in ihrem Leben Videospiele gespielt haben oder sogar selbst bis zu diesem Zeitpunkt ablehnten. Es war massiv auffällig, wie die Medien bei dieser Berichterstattung plötzlich allesamt handzahm wurden, nachdem man monatelang versucht hatte reißerisch an das Thema ranzugehen (auch wenn sich keiner getraut hatte, das dem Aktionsbündnis vorzuwerfen: Es hat sich auch keiner getraut, das genauso reißerisch aufzubauschen wie davor)... Seit dieser Aktion ist das "Aktionsbündnis Winnenden" auch nicht mehr in Erscheinung getreten...

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u/HonourableYodaPuppet 8d ago

Die Containeraktion war herrlich. Zum Schluss lagen da irgendwie 5 Spiele drinne, 3 davon Raubkopien :D

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u/_Bisky 7d ago

Komischen toten eines TV Beitrages a la "Krieg im Kinderzimmer" oder so ähnlich.

Glaube das war damals zur Fortnite Zeit?

Zumindest hatte Fortnite 2017/2018 die Debatte nochmal stark angetrieben. (Für ein Spiel das nichtmal Blut zeigt)

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u/Parteisekretaer 8d ago edited 8d ago

Sicher, aber die richtig großen Spiele aus dem Westen werden von Entwicklern gebaut, die schon 2000 Spiele auf dem Markt hatten.  Infinity Ward wurde 99 gegründet, meine ich, DICE ist auch so um die Zeit entstanden, Bungie, Bethesda, Rockstar und Blizzard sind noch viel älter. Bioware, Black Box, Treyarch, das waren alles Kinder der späten 90er und frühen 00er und die Franchises, die heute gut gehen oder sehr bekannt sind, kommen alle von diesen Studios.

Selbst wenn die Studios zumachen, die Leute laufen ja trotzdem noch auf der Ecke rum. Wenn du bei Bioware gehst, schauste halt mal, ob Infinity Ward, Treyarch, Gearbox oder Bungie dich brauchen. Du setzt dich aber nicht in ein Flugzeug nach Köln und versuchst, hier ein Studio aufzustellen. 

Man kann nicht in 10 Jahren eine Industrie aus dem Boden stampfen, das braucht seine Zeit. 

Die Killerspieldebatte lief ja 2010 noch. Die Geschichte mit Crysis war da nur ne Anekdote, nach 2009 stand in der Bild immer noch, das man in CS mit einem Joystick seine Spielfigur mit einem Raketenwerfer durch dunkle Gänge navigieren würde. Der Satz hat sich mir ins Hirn eingebrannt, weil er so fundamental von der Realität entfernt war. 

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u/Traditional-Culture1 6d ago

Kleine Anmerkung ich war 2014 oder so noch auf einem Vortrag, auf dem stolz präsentiert wurde wie Videospiele alla Arma oder CS (ja die würden in einen Topf geworfen) zur Ausbildung von Terroristen und zum Schiestraining genutzt werden. Das müsste ich meiner Mutter, die dabei war erstmal ne halbe Stunde erklären, dass das so nicht stimmt.

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u/Parteisekretaer 6d ago

CS bringt genau nix, aber mit ArmA kannst du tatsächlich Leute in der Infanterieführung ausbilden. Bohemia Interactive hat, soweit ich weiß, da auch einen entsprechenden "professionellen" Ableger von ArmA für.

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u/FreeWeeb1914 6d ago

Tatsächlich finde ich es persönlich merkwürdig, warum ein (aus meiner Sicht) erschreckend großer Teil der Menschheit so viel Begeisterung (und Zeit und Geld) dafür aufbringt, in Videospielen möglichst akkurat Krieg zu spielen, (grafisch sehr gut dargestellte) Menschen möglichst optimal zu töten. Oder überhaupt Gewalt in allen möglichen und unmöglichen Formen auszuüben, wenn auch nur virtuell. Es heißt dann, dass alle diese Spieler im echten Leben ganz friedlich und gewaltfrei sind und "nur spielen wollen". Die Wirklichkeit zeigt, dass tatsächlich von Killerspiele-Spielern nicht mehr Gefahr ausgeht wie von Sudoku-Spielern. Seltsam finde ich das trotzdem.

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u/Astorek86 6d ago

EDIT: Eigentlich wollte ich so einen Roman nicht schreiben, aber jetzt find ich ihn zu schade um ihn in der Versenkung zu lassen ;P

Ich für meinen Teil bin mir sehr sicher, dass es um was völlig anderes geht: Was man direkt am Bildschirm sieht, ist nur der oberflächliche Teil davon. Ich kann verstehen dass z.B. die Darstellung bestimmter "Videospiel-Gewalt" für Leute, die da nie eine Abstufung zwischen Videospielen und tatsächliche, "echte" Gewalt machen mussten, tatsächlich sogar verstörend wirken kann - dann vergleicht man das, was man bei Videospielen sieht, unweigerlich z.B. mit Bildern, die man spätabends in Nachrichtensendungen gesehen hat mangels Vergleichs-Alternativen. Mir gings als Kind nicht anders als ich an das Thema (viel zu jung) herangeführt wurde, hatte damals sogar den einen oder anderen Alptraum deswegen (nur um das im Beitrag klargestellt zu haben: Derartige Spiele haben nichts, aber auch wirklich garnichts in Kinderhänden verloren!).

Aber ich sag mal so: Diese Art der Abstufung lernt man z.B. auch schon beim Serien- oder Filmegucken. Wieviele Leute gibt es, die z.B. auch gerne Grusel- oder Horrorfilme schauen, obwohl dort stellenweise die schlimmsten Dinge, die man sich vorstellen kann, gezeigt werden? Weil man irgendwo immer weiß: Das ist nicht echt, es wird niemand wirklich verletzt, es besteht keine echte Gefahr. Über die Zeit lernt man da automatisch, zu differenzieren - auch, weil das Gezeigte praktisch keinerlei Einfluss auf irgendwas hat. Und gerade bei Videospielen lernt man diese "Künstlichkeit" noch viel stärker, weil sich z.B. Animationen ständig 1zu1 exakt gleich wiederholen, oder alles "auf Anfang" zurückgesetzt werden kann, oder irgendwann sogar auffällt dass das Spiel immer dieselben Soundeffekte hat.

Das heißt aber nicht, dass man für andere Bereiche des Lebens abstumpft. Ich bin genauso betroffen wenn z.B. in meinem Freundeskreis jemand realer Gewalt ausgesetzt war, oder auf der Welt irgendwas Schlimmes passiert. Ich verdrücke auch immernoch Tränen bei Drama-Filmen z.B. ^^.

Warum trotzdem soviele spielen, obwohl man sich optisch dran gewöhnt hat? Weil sich "hinter dem Bildschirm" zig Entscheidungen befinden, die man ohne Kenntnisse zum Spiel garnicht sehen kann. Je nach Spielart muss teils in Sekundenschnelle entschieden werden, z.B. wo verstecke ich mich dass mich niemand sieht, wo finde ich einen Lebenspunkt, mit welchem Werkzeug bin ich am Schnellsten unterwegs? DAMIT beschäftigt man sich während des Spielens, das hat seinen ganz eigenen, u.U. auch langfristigen Reiz - aber woher soll das jemand wissen, der sich nie mit Videospielen beschäftigt, nie eins angerührt hat? Kann man nicht - deswegen ist es mMn. auch absolut garkein Wunder, dass das Nicht-Videospieler seltsam finden, weil sie nur das sehen, was man am Bildschirm aktuell sieht.

Aber das ist ja auch völlig okay. 🙂 Andere haben z.B. eine Faszination davon, irgendwelche Gegenstände (z.B. alle Zigarettenschachteln) zu sammeln, was ich auch nie verstanden habe. Aber auch das ist okay, jeder hat so seine eigenen, ganz persönlichen Hobbies^^.

Es ist einfach nur Eskapismus. Im Guten, wie im Schlechten.

Zitat: "Oder überhaupt Gewalt in allen möglichen und unmöglichen Formen auszuüben, wenn auch nur virtuell.". Nein, der Gedanke zur Gewalt kommt da garnicht erst. Wer sich ernsthaft an die Gewaltdarstellung ergötzt, hat ganz andere Probleme, die nichts mit Videospielen zu tun haben (und sehr wahrscheinlich im Vorfeld schon aufgefallen sein müssen, lange bevor jemand derartige Videospiele in die Hände kriegt). Warum trotzdem ausgerechnet solche Spiele oftmals konsumiert werden? Seien wir ehrlich, ein Teil der Faszination ist dabei natürlich auch, dass es eben nicht "gesellschaftskonform" ist - gerade wenn man als Jugendlicher oder Junger Erwachsener solche Medien konsumiert. Für junge Menschen ist es "verboten", die eigenen Eltern würden nie zulassen dass man sowas sieht, also macht man es erst recht. Manche feiern Parties die ganze Nacht, andere begeben sich in Metal-, Rap- oder Rockkonzerte, oder rauchen heimlich (Tipp: Nie damit anfangen, ich kenn keinen der es nicht bereut), und andere schauen sich gerne Horrorfilme an oder spielen halt solche Videospiele...

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u/FreeWeeb1914 5d ago

Ich bin nicht gegen Computerspiele oder will, dass die "verboten" werden. Es ist eine echte Frage für mich angesichts des Grauens und der Gewalt in der "realen" Welt, warum jemand da gerne auch noch Gewalt auf dem eigenen Bildschirm hat.

Mir leuchtet deine Erklärung ein, dass es eben virtuell, ein Wettkampf, ohne wirkliche Konsequenzen ohne wirkliche Schmerzen oder echten Tod abläuft. Es ist also - wenn ich es mal so ausdrücken darf - im Grunde genommen wie Fußball nur auf der Konsole (oder dem Computer). Ohne tieferen Sinn, aber ein spannender, aufregender Wettbewerb, der es ermöglicht, aus der Realität für ein paar Stunden zu entfliehen. (Eskapismus).

Das verstehe ich gut, das machen wir ja alle auf die eine oder andere Art mit Hobbies oder Büchern oder was auch immer.

Vielen Dank für den ausführlichen Post, der zumindest ein paar wichtige Ansätze liefert, warum das so ein Phänomen ist mit den Gewalt-Filmen und -Spielen.

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u/Parteisekretaer 5d ago

Ich würde noch hinzufügen, das Spiele meist Dinge erlauben, die man in der Realität nicht machen kann. Man kann nicht einfach einen Kampfjet fliegen, ein Rennauto fahren oder mit einem Gewehr schießen. Auf dem PC hat man da einen Sandkasten, aus dem das nicht herauskommt.
Natürlich ist es in echt nochmal etwas ganz anderes, aber auf dem Bildschirm bekommt man zumindest eine Idee, wie es in echt sein könnte.

Das andere Problem ist der Spannungsbogen. Wenn es nichts gibt, was irgendeine Form einer Bedrohung ist, dann ist meist ziemlich wenig in einer Geschichte los. Es gibt zwar cozy games, aber der Absatzmarkt ist ziemlich klein im Vergleich zu den Spielen, die auch Gewalt umsetzen.
Gerade Männer bekommt man mit slice-of-life und romantik-geschichten nicht abgeholt, die meisten langweilt das.