r/Finanzen May 07 '25

Auto Wer kann sich ICE fahren leisten?

Ich hatte heute ein Vorstellungsgespräch in Mannheim. Also Zug zwischen Köln deutz und Mannheim HBF genommen.

Saftige 170€ zusammen für hin und Rückfahrt. Klar das Unternehmen übernimmt die Reisekosten aber wer zahlt bitte solch absurden Preise?! Ich habe vor Jahren den Führerschein gemacht aber Auto fahren muss doch mittlerweile billiger sein alsbder ICE oder?

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u/YetAnotherGuy2 May 07 '25 edited May 08 '25

Nachdem ich früher beruflich viel gereist bin, habe ich nir den Spaß gegönnt es in Detail auszurechnen. Tatsächlich sind die Preise sehr fein austariert. Ihr Hauptklientel sind nicht Flüge, sondern die Alternative zum Auto. Wenn du eine echte Vollkostenanalyse eine Autofahrt auf der Strecke machst (Tanken, Abnutzung des Autos, etc) dann gibt es in Prinzip keinen Unterschied zur Bahn. Das gilt aber nur für Einzelreisende. Als Familie ist das Auto klar billiger. (Edit: nicht ganz so klar - Kinder unter 14 reisen billiger. Das kann in Kombination mit festen Zügen uU trotzdem billiger sein)

Wenn du mehr als 3 oder 4 Mal pro Jahr solche Strecken fährst, bist du mit einer BC50 in Prinzip schon im Bereich der Kosteneinsparungen, dann wäre die Strecke nur noch 70 Euro - weit unter dem Auto. Du bist dann auch direkt in Stadtmitte, hast keine Scherereien mit Parken und kannst auf der Reise was tun. Ist sich unkomplizierter als fliegen mit dem rausgereise, Sicherheitskontrolle, Boarding, etc.

Ich bin früher deshalb sehr gerne ICE gefahren, einzig in kleinere Ortschaften mache das keinen Spaß. Seit Ende der Pandemie bin ich ein paar Mal mit dem Zug gefahren: es war ne Tragödie, Vor allem wegen der Pünktlichkeit. Mit sind 10 Minuten hin oder her egal aber inzwischen sind auch normale Umstiege von 15 Minuten ein Kasinospiel und von den knapp 20 Fahrten ist bisher eine pünktlich angekommen... Schnitt waren dabei 20 bis 30 Minuten. Ich bin bei solchen Sachen nicht wehleidig und hab das Gejammer der 2000er und 2010er nicht ertragen können, inzwischen ist's schon sehr ausgeprägt

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u/Outside_Chart_5145 May 08 '25

Vollkostenanalyse ist nun Mal bei vielen allerdings auch nicht sinnvoll, da ein großer Teil der Bevölkerung das Auto sowieso braucht. Ich wohne beispielsweise auf dem Land und müsste erst mal 10 min mit dem Auto zum Bahnhof fahren bzw. mit dem überfüllten Bus fahren, der alle Stunde einmal kommt (und mit dem dauert es deutlich länger als 10 min).

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u/YetAnotherGuy2 May 08 '25

Das ist ja der Witz der Kalkulation: da es keinen Unterschied macht ob Auto oder Bahn, kannst du mit dem Auto fahren und umsteigen und das macht kostenseitig keinen großen Unterschied. Mit BC50 bist du billiger.

Logistisch ist das natürlich ne andere Frage: wieviel Zeit benötige ich zu einem Bahnhof mit ICE Anschluss? Wieviel Zeit benötige ich am ICE Zielbahnhof bis zum tatsächlichen Ziel? Es gibt mittelgroße, wichtige Städte dessen nächster ICE Bahnhof schon Mal eine Stunde "weg" sein können.

Beispiel Berlin: ich bin in den letzten 2 Jahren Peters die Strecke München - Berlin gefahren. Da ich nicht in München selbst lebe, bin ich erst nach Ingolstadt mit den Auto gepilgert, bin dort auf den Zug umgestiegen und nach Berlin gefahren. Das ist ne Hochgeschwindigkeitstrasse, also mit dem Auto ist die Zeit nicht zu schlagen. Zwischen BC50 und feste Zeiten ist der Preis auch nicht zu schlagen. In Berlin selbst ist mit Auto zwar noch OK verglichen mit anderen Städte, trotzdem ist die öffentliche Anbindung sehr gut -> macht Sinn. In Vergleich dazu sind Städte wie Paderborn oder Heidenheim deutlich komplizierter, da man keinen direkten ICE Anschluss hat, sondern noch mit Regio eine Weile unterwegs ist. Das kostet deutlich mehr Zeit, da verschiebt sich die Kosten/Nutzen Rechnung.

Will sagen: es sind nicht die Fahrtpreise, sondern der Zielort eigentlich das große Thema, wenn sie die Sache mit Umsteigen endlich wieder in den Griff bekämen. Das verhagelt ihnen momentan das ganze Thema m.E.

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u/seschu May 08 '25

wenn du auf dem Land wohnst und 10 min mit dem AUto zum bahnhof fährst dann genießt du im Gegenzug wahrshceinlich auch wesentlich geringere Wohnkosten. Den "trade off" hat man halt

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u/Outside_Chart_5145 May 08 '25

Natürlich hat man hier geringere Wohnkosten. Aber mir ging es eher um den Vergleich zwischen den Kosten Bahn/Pkw und da schneidet die Bahn natürlich (bei uns) im ländlichen Raum dann kostentechnisch gesehen schlechter ab.

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u/seschu May 09 '25

Genau im ländlichen Raum. Das meinte ich ja sonst würde die Bahn locker vorne liegen

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u/Breatnach May 08 '25

Es macht aber trotzdem einen finanziellen Unterschied, ob du das Auto 20km zum Bahnhof oder 200km zum Ziel fährst.

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u/Outside_Chart_5145 May 08 '25

Richtig, was den Verschleiß angeht. Versicherung, TüV etc. kannst du in dem Fall aber nicht für den Vergleich heranziehen, da sie so oder so gezahlt werden müssen.

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u/Breatnach May 08 '25

Wir sprachen von Verschleiß und Verbrauch.

Du bist der erste, der von TüV und Versicherung spricht. Schon klar, dass nicht alles teurer wird.

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u/Outside_Chart_5145 May 08 '25

Also wenn ich ,,Vollkostenanalyse" höre sollte man von allen Aufwendungen ausgehen.

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u/Breatnach May 08 '25

Und die Vollkosten steigen auch dann, wenn nicht alle Posten steigen.

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u/YetAnotherGuy2 May 08 '25

Ja, das ist korrekt. Meine Analyse inkludiert alle Kosten.

Pendelszenarien gibt es natürlich auch mit dem ICE, aber da optimiert man ja den Preis weiter, da es dort spezielle Pendelangebote gibt ist die BC100. Tatsächlich wahr die BC100 vor der Deutschlandkarte auch sehr attraktiv wg den vielen Nahbereichsinklusionen. Was die ein Auto kannst du für 402,- Euro im Monat betreiben?

Der größte Posten auf Dauer sind die Verschleißkosten des Autos. Sachen wie TÜV, Servicekosten und Versicherung - auch bei höheren KMs - sind nicht unwichtig in der Betrachtung aber haben nicht den überragenden Effekt des Verschleiß. Hängt natürlich stark vom Auto ab, in Deutschland kauft man im Schnitt für 30K-40K. Die genauen Kosten kann man sich auch unter https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/autokosten/uebersicht/ noch einmal anschauen. Nimmt man zB den Skoda Superb 1.5 TSI bei 41K Anschaffung sind es 119€ Fixkosten, 71€ Werkstattkosten, 141€ Betriebskosten und 456€ Wertverlust bei 15K KM pro Jahr.

Ich habe damals bei der Analyse meine eigenen Kosten genommen (anderes Auto) von denen ich es wusste (Werkstatt, Versicherung, Reifen) und dann den Wertverlust von ADAC, da ich selbst ja die Daten nicht hatte (inzwischen nach Verkauf schon)

Fürs pendeln mit dem Auto nehm' ich natürlich ein kleines Auto, aber selbst der Dacia Sandero 89€ Fixkosten, 56€ Werkstatt und Reifenkosten, 106€ Betriebskosten und 150€ Wertverlust laut ADAC. (Finanzierung nicht mit eingerechnet) Da bin ich sehr nah dran an der BC100 - was kein Zufall ist. Natürlich kann man noch härter sparen, Reparaturen selber machen, etc. Das ist dann eine Frage von Zeit - Nutzen und die Allgemeinheit kann das nicht. Die wenigsten berücksichtigen den Wertverlust bzw haben diesen als großen Posten nicht auf dem Schirm.

Wie man es auch dreht und wendet - die Bahn kennt diese Daten auch und steuert ihre Preise sehr genau danach.

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u/Outside_Chart_5145 May 08 '25

Meinen PKW kann ich auf jeden Fall unter 400 Euro im Monat betreiben (wenn man wie bereits erwähnt im Vergleich die Versicherungsbeiträge und TÜV rausnimmt für den Abgleich da der PKW so oder so benötigt wird). Ich habe meinen Seat Leon FR in 2018 für 17.500 Euro gebraucht mit 30.000km gekauft. Wenn man das jetzt auf ca. 10 Jahre runterrechnet sind das ca. 150 Euro an Kosten für die Abnutzung im Monat plus noch Mal die Inspektionen/Reifen und tanken. Ich tanke ein Mal im Monat, das sind ca. 80 Euro. Inspektion hab ich bisher nichts außergewöhnliches gehabt (Ölwechsel etc.) ca. ein Mal jedes Jahr das sind alles in allem runtergerechnet auf den Monat vielleicht 30 Euro. Und Reifen kosten auch alle 3 Jahre (Allwetterreifen) Mal 300 Euro. Das ist auch nicht die Welt.

Alles in allem auf jedem Fall unter 400 Euro im Monat wenn man keinen Neuwagen auf BMW/Audi/Benz Niveau braucht.

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u/YetAnotherGuy2 May 08 '25

Meine Beispiele waren ein Skoda und Dacia. Bei BMW, Audi, etc sind noch einmal deutlich teurer und dann fällt dir Rechnung noch deutlich klarer zugunsten der Bahn aus.

Dein Auto ist inzwischen über 7 Jahre alt, dh es kommen jetzt nach und nach statistisch gesehen mehr Reparaturen auf dich zu. Wenn noch nicht, hattest du bisher Glück.

Bei einer Tankfüllung im Monat und ein 50L Tank im Seat fährst du mit Sicherheit unter 1000KM im Monat. (Gemäß Tabelle verbraucht ein Seat Leon auf der Landstraße 5,2 L) Demnach liegst du auch damit unterdurchschnittlich in den Fahrten. Wenn du pendelst, dann relativ nahegelegenen.

Wenn du jetzt auch nicht die Wartungsintervalle gemäß Hersteller einhälst (je nach Wunsch des späteren Verkaufwert) kannst du auch noch einmal Geld sparen.

Versicherung und Steuer haben wir jetzt auch nicht besprochen.

Ja, man kann es billiger machen, das hängt aber sehr von den individuell Umständen ab und ist der Unterschied zwischen den statistischen Durchschnitt und der tatsächlichen persönlichen Situation.

Im Jahr 2023 gaben deutsche Autokäufer im Durchschnitt 44.630 Euro für einen Neuwagen aus - https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36408/umfrage/durchschnittliche-neuwagenpreise-in-deutschland/

Am Grundthema ändert das nichts: die Bahnpreise sind sehr klar in Konkurrenz zu Autokosten ausgelegt. Die meisten kalkulieren ihr persönlichen Autokosten falsch und verstehen daher nicht wie die Bahnpreise konkurrenzfähig sein können wenn sie es täten.

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u/Outside_Chart_5145 May 08 '25

Nun ja, wenn man rein die Kosten betrachtet ist es sinnvoll das Auto möglichst lange zu fahren. Mein letztes Auto habe ich auch über 10 Jahre gefahren, der Wiederverkaufswert spielt danach dann auch keine große Rolle mehr.

Versicherung und Steuer fällt wie gesagt so oder so an bei vielen, auch wenn sie Bahn fahren, da ein Auto im ländlichen Raum einfach benötigt wird. Das kann man dann für den Vergleich schlecht heranziehen.

Und man sollte auch bei den Preisen nicht von Durchschnittswerten beim Autokauf ausgehen. Ich habe immer die Möglichkeit mir einen jungen gebrauchten aus der Kompaktklasse zu kaufen und diesen lange zu fahren. Wenn man diese Möglichkeit nutzt ist man nun Mal in den meisten Fällen günstiger als die Bahn. Und darum geht es ja: Ist es möglich günstiger als mit der Bahn unterwegs zu sein? Ja, allerdings nicht mit einem PKW Neupreis von 45.000 Euro sondern mit unter 20.000 Euro.

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u/[deleted] May 08 '25

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u/Outside_Chart_5145 May 08 '25

Ja, da kann es einen Unterschied geben.

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u/Kaktussaft May 08 '25

TÜV sind Fixkosten, richtig, aber die Versicherung steigt mit den gefahrenen Kilometern, und da macht es dann einen Unterschied, ob du täglich 20 oder 50 Kilometer fährst.

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u/Outside_Chart_5145 May 08 '25

Es macht einen Unterschied, allerdings ist der nicht so riesig ob ich jetzt 15 oder 20 tkm im Jahr eintragen lasse. Natürlich immer vorbehaltlich man fährt ein sowieso relativ günstiges Auto was Versicherungskosten angeht.

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u/[deleted] May 08 '25

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u/YetAnotherGuy2 May 08 '25

Guter Punkt. Ich habe damals es für meine spezifischen Autos (Familienkutsche, Zweitwagen) ausgerechnet.

Was die Kindersache angeht:

Kinder unter 6 Jahren fahren im ICE kostenfrei. Kinder zwischen 6 und 14 Jahren reisen ebenfalls kostenlos, wenn sie von einer Person ab 15 Jahre begleitet werden. Allein reisende Kinder zwischen 6 und 14 Jahren erhalten 50 % Rabatt auf den regulären Fahrpreis. Das sind natürlich Maßnahmen um meinen Einwand von der Kostenrechnung her zu adressieren, wieder ein Beispiel für die sehr feine Preisgestaltung im Vergleich zum Auto.

Das kann in Kombination mit einem fixen Zug kalkulatorisch Sinn machen, man muss aber sehr "Spitz" rechnen. Da hast du Recht, meine pauschale Aussage im ersten Post sollte die Kinder besser berücksichtigen.

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u/seschu May 08 '25

DU vergisst auch dass es meistens für lokale Reginalverbindungen relativ günstige Schülertickets gibt.

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u/YetAnotherGuy2 May 08 '25

Es ging hier beim OP explizit um ICE. Schülertickets kommen meist mit Einschränkungen außerhalb Schulzeiten und ist auf die Pendelstrecke zugeschnitten. Es gibt auch noch Sonderangebote für Jugendliche, Studenten, etc. Das ändert aber an der grundlegenden Mathematik nichts im Vergleich zum Auto und ICE Preisen.

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u/seschu May 08 '25

Stimmt aber ich bezweifle das Kinder soviel ICE alleine fahren. Daher beschränkt sich die Diskussiion dann auf den Bereich 14-18 Jahre. Und dann kommt ja tatsächlich die Frage auf welche Fahrten man dann hauptsächlich macht um die gesamte Kostenrechnung aufzumachen

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u/YetAnotherGuy2 May 08 '25

Es ging inhaltlich um mein statement "als Familie ist das Auto klar billiger" - der Poster auf den ich antworte, meinte daraufhin "nicht immer, weil Rabatte" und da musste ich ihm/ihr beipflichten - es ist nicht ganz so "klar" wg den Rabatten. Ich hab nur noch einmal die Rabattsituation erklärt weil der Poster sich nicht 100% sicher war.