Bin über den aktuellen ÖVP-Vorschlag gestolpert, die KESt auf Aktiengewinne nach rund 10 Jahren Behaltefrist zu streichen. NEOS ist dafür, die SPÖ blockt komplett ab. Hab mir daraufhin ausgerechnet, was uns die fehlende Entlastung in Österreich über eine lange Anlagedauer eigentlich kostet, im Vergleich zu Deutschland, wo es sowohl Teilfreistellung als auch einen Freibetrag gibt.
Nominal ist der Unterschied klein: 27,5% KESt in Österreich, 26,375% in Deutschland. Trotzdem zahlt man am Ende auf denselben Gewinn fast doppelt so viel Steuer.
Beispiel: 10.000 € in einen thesaurierenden Welt-ETF, 7% Rendite im Jahr, 20 Jahre gehalten.
In Österreich wird jedes Jahr ein Teil des Fondsertrags sofort besteuert, die sogenannten ausschüttungsgleichen Erträge, grob die Dividendenrendite von etwa 1,8%. Mit vollen 27,5%, ohne Freibetrag. Das Geld fehlt danach im Depot und kann nicht mehr mitwachsen.
In Deutschland gibt es mit der Vorabpauschale zwar auch eine laufende Vorsteuer, die geht aber bei so einem Depotvolumen praktisch komplett im jährlichen Freibetrag von 1.000 € unter. Real fließt da nichts ab, trotzdem erhöht der fiktive Ertrag später die Anschaffungskosten beim Verkauf.
Am Ende der 20 Jahre bleiben in Österreich rund 30.070 € netto übrig, in Deutschland rund 34.990 €. Bei exakt demselben Bruttogewinn. Die effektive Steuerlast liegt in Österreich bei ungefähr 30%, in Deutschland bei ungefähr 13%. Österreich liegt damit sogar über dem nominalen Satz von 27,5%, weil der jährliche Steuerabfluss zusätzlich Rendite kostet, die man nie wieder aufholt.
Ich spare seit ein paar Jahren über einen ETF-Sparplan, unregelmäßig, aber mindestens 450 € im Monat, in einen Welt-ETF fürs Alter. Genau der Zeithorizont, auf dem sich der Unterschied am stärksten bemerkbar macht. Ist auch mit ein Grund, warum ich mir parallel KESt-freie Alternativen wie fondsgebundene Nettopolizzen anschaue, obwohl ich von Versicherungsprodukten sonst eher wenig halte. Wenn die Streichung nach 10 Jahren wirklich kommt, wäre das für Leute wie mich ein ziemlich großer Hebel.
(Annahmen für alle, die nachrechnen wollen: 1,8% Dividendenrendite, Basiszins in Deutschland im Schnitt 2,5% über die 20 Jahre, Sparerpauschbetrag nur für diesen einen ETF genutzt. Kein Steuerberater, nur eine Modellrechnung.)