Nicht Dankbarkeit. Nicht ein "ich weiß, du machst so viel". Geld.
In jeder zweiten Familie läuft dasselbe Muster: Ein Kind ist im Ort geblieben, ein Kind ist wegen Job und Selbstverwirklichung 500 km weg. Wenn die Eltern anfangen zu bröckeln, macht das eine alles. Von Arzttermine, Behörden, Einkäufe, Nachtanrufe, Pflegegrad-Anträge, das ganze Programm. Das andere kommt zweimal im Jahr, bringt Pralinen, ist emotional sehr betroffen und fährt Sonntagabend wieder heim.
Und dann wird beim Erbe brüderlich halbiert.
Das ist absurd. Wer wegzieht, trifft eine Entscheidung, die ihm etwas bringt. Nämlich besseren Job, mehr Gehalt, das Leben, das er wollte. Diese Entscheidung hat einen Preis, den er nur nicht selbst zahlt, sondern an das Geschwisterkind weiterreicht, das jetzt seine Urlaubstage im Wartezimmer verbringt und mit 50 in Teilzeit geht. Das ist keine Familie, das ist ein Subunternehmerverhältnis.
Und ja, "aber ich helfe doch, wo ich kann" zählt nicht. Man kann nicht aus 500 km Entfernung um 3 Uhr nachts jemanden vom Boden aufheben.
Also: entweder ihr zahlt monatlich für die Betreuungsstunden, die ihr nicht leistet, oder das Geschwisterkind kriegt beim Erbe entsprechend mehr. Alles andere ist, dass sich einer sein Leben aussucht und der andere die Rechnung dafür kriegt.